Tagebuch Harry Graf Kessler

- Tagebuch 1916. Etwa Originalgröße.
grösster Vollkommenheit vorhanden, wobei Ludendorf mehr den dramatischen Situationendichter, Hindenburg den grossen, charakterstarken Arzt vertrete. - Bernhard erzählte mir heute eine schöne Geschichte von Hindenburg. Während der Winterschlacht in Masuren habe die Sache einmal so schlecht gestanden, dass selbst Ludendorf die Nerven verloren und gesagt habe: "Die Sache geht nicht; es schneit zu stark" Da habe ihm Hindenburg geantwortet: "Seien Sie nur ruhig, mein lieber Ludendorf: der liebe Gott hat uns noch nie im Stich gelassen; auch heute lässt er es über die Russen ebenso wie über uns schneien."
23 Sept. 1916. Sonnabend Berlin.
Unterredung mit Jäckh wegen Werkbund Ausstellung in Schweiz.
24. Sept. 1916. Sonntag. Berlin.
Newman, der Schwager Kippenbergs, trug mir im Klub alle Gründe für den verschärften U-Boot Krieg vor. Er meint, England würde so ausgehungert, dass wir von ihm die Entwaffnung seiner Armee in Frankreich und die Herausgabe Gibraltars fordern könnten. Amerika werde nicht eingreifen, weil es wirksam rechtzeitig nicht eingreifen könne. Nachher gieng ich mit Solf nachhause, der genau das Gegenteil behauptete; Bethmann, Helfferich, das Ausw. Amt wüssten genau, dass Amerika eingreifen würde, und dieses dann auch die kleinen noch
