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PM 043/2011
Vorlass von Egon Schwarz geht nach Marbach
Marbach, 15. Juli 2011 —
Einer der renommiertesten Germanisten der USA, Professor Dr. h. c. mult. Egon Schwarz, übereignet dem Deutschen Literaturarchiv Marbach seinen Vorlass zur Aufbewahrung, Erschließung und Erforschung. Seine Sammlung umfasst die Korrespondenz mit literarischen und wissenschaftlichen Autoren, u. a. Jurek Becker, Bernhard Blume, Norbert Elias, Käte Hamburger und Ruth Klüger; darüber hinaus Manuskripte und Typoskripte aus der frühen Exilzeit, Vorstufen seiner Autobiographie, wissenschaftliche Beiträge und ein unveröffentlichtes Kinderbuch. Zu den Materialien gehören außerdem u. a. seine Autorenexemplare, Zeitungsveröffentlichungen, Rezensionen seiner Werke, Fotografien und Medaillen. Egon Schwarz gilt als einer der wichtigsten Vermittler deutschsprachiger Literatur und Kultur in den Vereinigten Staaten.
Egon Schwarz, geb. 1922 in Wien, flüchtete 1938 über Prag und Paris nach Südamerika. Von 1939-1949 arbeitete er als Wanderarbeiter in Bolivien und Ecuador. Gegen alle Wahrscheinlichkeit konnte er nach dieser wechselvollen Zeit seinen Lebenswunsch verwirklichen: Er studierte zuerst Jura in Cuenca (Ecuador), später Germanistik und Romanistik in den USA und lehrte dann als Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Harvard University und der Washington University in St. Louis. Zahlreiche Gastprofessuren führten ihn an verschiedene Universitäten in Amerika, Europa und Neuseeland. In seiner Lebensbeschreibung »Unfreiwillige Wanderjahre. Auf der Flucht vor Hitler durch drei Kontinente« erzählt Schwarz von seiner Vertreibung als Sechzehnjähriger durch die Nazis aus Österreich im Jahr 1938 und von seiner ein Dutzend Jahre währenden Irrfahrt durch die halbe Welt. Sein Buch ist ein berührendes wie aufschlussreiches biographisches Dokument und ein bedeutender Beitrag zur deutschen Exilliteratur. Egon Schwarz erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. die Joseph von Eichendorff Medaille (Erlangen), den Cotta-Preis (Stuttgart) und die Ehrendoktorwürde der Universität Wien, der Universität Örebro (Schweden) und der Washington University in St. Louis. Er ist korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und Mitglied des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland. Er lebt in St. Louis/USA.
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach befasst sich in jahrzehntelanger Tradition mit literarischen und intellektuellen Exilnachlässen. Die Erwerbung und Erforschung der Bestände von Emigranten hängt unmittelbar mit der Gründungsgeschichte des Deutschen Literaturarchivs nach dem zweiten Weltkrieg zusammen. Mit Nachlässen und Sammlungen von Hannah Arendt, Siegfried Kracauer, Kurt Pinthus, Kurt Tucholsky, Carl Zuckmayer und vielen anderen verfügt das Deutsche Literaturarchiv Marbach über die weltweit bedeutendsten Bestände zur Exilforschung. Dazu zählen auch die Bestände von Wissenschaftlern, die in die USA auswanderten oder ins Exil getrieben wurden, darunter die bedeutenden Nachlässe von Erich Auerbach, Bernhard Blume, Curt von Faber du Faur, Erich von Kahler, Victor Lange, Wolfgang Paulsen, Heinz Politzer, Arno Schirokauer und Werner Vordtriede.

