Pressemitteilungen

2005

PM 23/2001

Erwerbung des Monats: Adolfs gesammelte Briefe

Marbach, 31. Oktober 2001 —

Das kürzlich mit Mitteln des "Freundeskreises für das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv" erworbene Exemplar des 1778 anonym erschienenen Briefromans "Adolfs gesammlete Briefe" trägt, rar genug, den Namenszug Schillers. Die Echtheit dieser Signatur wird durch ein inliegendes Gutachten des im 19. Jahrhundert berühmten Heilbronner Autographensammlers Wilhelm Künzel bestätigt.

Das Buch hat eine wechselhafte, nur ansatzweise rekonstruierbare Besitzergeschichte hinter sich. Wie aus Künzels Gutachten hervorgeht, bekam dieser es 1856 von der Witwe des mit Schiller eng befreundeten Dresdner Juristen Christian Gottfried Körner (1756-1831). Künzel gab es vermutlich weiter an den damaligen britischen Generalkonsul in Hamburg, John Ward (1805-1890). Ein prachtvolles Exlibris auf dem Vorsatzblatt weist auf einen späteren Besitzer hin, vermutlich den englischen Politiker Robert O. A. Crewe-Milnes Lord Marquis of Crewe (1858-1945). Weitere Spuren der Provenienzforschung führen nach Haifa/Israel, doch ist der letzte Besitzer unbekannt.

Das anonym erschienene Werk ist eine "Wertheriade", weist also in Anlage, Inhalt und Konstruktion der Handlung deutliche Parallelen zu Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" von 1774 auf. Der Held Adolf beklagt die Trennung von seiner geliebten Sophie, die einen Anderen geheiratet hat; sein Gram treibt ihn zwar nicht in den Selbstmord, aber er stirbt an Liebeskummer und - Schwindsucht.

Der spätere Regensburger Hofbedienstete und Bibliothekar Albrecht Christoph Kayser verfaßte das Werk als Student in Leipzig, geplagt von Geldnöten und bei schlechter Gesundheit. Auch nach seiner Anstellung in Regensburg 1779 war er schriftstellerisch tätig, um sich ein zweites wirtschaftliches Standbein zu schaffen. So entstanden allerdings vor allem regionalgeschichtliche Werke. Sein erfolgreicher Erstling erfuhr schon kurz nach Erscheinen mehrere Auflagen. Ob der 19jährige Friedrich Schiller das Buch des nur wenige Jahre älteren Autors gleich nach Erscheinen erworben und gelesen hat?


Das Exemplar ist bis zum 30. November täglich von 9 bis 17.30 Uhr im Schiller-Nationalmuseum in Marbach zu sehen.