Pressemitteilungen
2005
PM 33/2001
Erwerbung des Monats:
Zum 100. Geburtstag von Vittorio Klostermann.
Der Briefwechsel des Klostermann Verlages mit Autoren
Marbach, 18. Dezember 2001 —
Vittorio Klostermann (29.12.1901-29.8.1977) gründete seinen Verlag 1930. Sein Frankfurter »Ein-Mann-Unternehmen« gehörte schon bald zu den angesehensten deutschen Verlagen auf den Gebieten Philosophie, Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaft, Bibliographie und Bibliothekswesen. Hier erschienen Bücher von Max Kommerell, Friedrich Georg und Ernst Jünger, Franz Altheim, Walter F. Otto, Karl Reinhardt, Werner Krauss, Karl Mannheim, Hanns W. Eppelsheimer, Arnold Gehlen, Hans-Georg Gadamer, Hugo Friedrich und vielen anderen namhaften Autoren. Die Reichsschrifttumskammer schloß den Verlag 1944; mit Lizenz der amerikanischen Militärregierung konnte er im September 1945 wieder eröffnet werden. Vittorio Klostermann amtierte nach dem Krieg als erster Vorsteher des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, außerdem gehörte er zu den Gründern der Deutschen Bibliothek und der Frankfurter Buchmesse.
Im Jahr seines 100. Geburtstags übergab sein Sohn Vittorio E. Klostermann, der heute den Verlag leitet, dem Deutschen Literaturarchiv eine Reihe bedeutender Korrespondenzen - größtenteils als Stiftung. Besondere Beachtung verdient neben den Briefwechseln mit den genannten Autoren die etwa 600 Briefe umfassende Korrespondenz zwischen Klostermann und Martin Heidegger aus den Jahren 1929-1977.
Bereits 1928, als Vittorio Klostermann noch den Friedrich Cohen Verlag in Bonn leitete, machte Max Scheler ihn auf den Autor des gerade erschienenen Buches >Sein und Zeit< aufmerksam. 1929 bot Heidegger Klostermann seine Vorlesung >Was ist Metaphysik?< an, die er im Juli desselben Jahres zum Antritt seiner Freiburger Professur gehalten hatte. Das schmale Buch entwickelte sich schnell zu einem verlegerischen Erfolg. 1943 konnte Klostermann die vierte Auflage der populären und mehrfach übersetzten Schrift in seinen eigenen Verlag übernehmen, obwohl das Propagandaministerium zunächst die Druckgenehmigung verweigert hatte. (Klostermann an Heidegger, 20.1.1943) Heidegger schrieb für diese Ausgabe ein Nachwort, in dem er - auf Empfehlung Klostermanns (Brief vom 15.3.1943) - unter anderem den Vorwurf abwehrt, eine »Philosophie der Angst« zu propagieren. Für die 5. Auflage, die nach der Währungsreform im Februar 1949 erschien, stellte Heidegger eine ausführliche Einführung voran.
Mit der Antrittsvorlesung >Was ist Metaphysik?< eröffnete Heidegger 1967 seine Auswahlausgabe >Wegmarken<. Dieser Band wurde in Fragen der äußeren Form, der Typographie und Ausstattung, zum Vorbild für die 1975 begonnene Martin Heidegger-Gesamtausgabe, die zu den wichtigsten und umfangreichsten Editionen des Klostermann Verlages gehört. Bis jetzt sind von den 102 geplanten Bänden mehr als 60 erschienen. Der Band 9, der die Schrift >Was ist Metaphysik?< in der Ausgabe letzter Hand enthält, wurde 1976 veröffentlicht - im letzten Lebensjahr Heideggers.
Der Brief ist bis zum 18. Januar 2002 täglich von 9 bis 17.30 Uhr im Schiller-Nationalmuseum in Marbach zu sehen.
Freiburg i Br. 29. Okt. 29.
Lieber Herr Klostermann!
Ich danke Ihnen für Ihren Brief. Heute möchte
ich Ihnen mitteilen, daß ich mich entschlossen habe, meine
Antrittsvorlesung »Was ist Metaphysik?« zu Weihnachten
in Ihrer Vortragssammlung zu veröffentlichen.
Sie soll nicht vor 10. Dezember im Buchhandel erscheinen,
da ich anfang Dezember in Heidelberg dieselbe Vorlesung
noch einmal vor einem anderen Kreise halte.
Das druckfertige, getippte Manuskript kann ich in der
nächsten Woche abliefern. Den Umfang schätze ich auf
zwanzig Seiten. So bleibt genügend Zeit für einen
sorgfältigen Druck, daran mir sehr viel liegt.
Die Ausstattung wünsche ich in der Form des Landsbergischen
Vortrags.<sup>1</sup> Da im Vortrag keine Anmerkungen u. Verweisungen
sind, wäre es mir lieb, wenn auf der Innenseite des Umschlags
(hinten) meine Veröffentlichungen (S u.Z. Vom Wes. d. Grund. Kantbuch -
einfach verzeichnet würden.<sup>2</sup> Auf der entsprech. Außenseite
Scheler, Otto, Usener u. Riezler.<sup>3</sup>
Ich nehme an, daß die Frage des Honorars keine Schwierigkeiten
bereitet, u. sehe Ihren Vorschlägen entgegen.
Mit freundlichem Gruß
Ihr M. Heidegger.

