Pressemitteilungen

2005

PM 27/2002

Erwerbung des Monats: Archiv Heimeran

Marbach, 24. Juni 2002 —


Der Autor und Verleger Ernst Heimeran (1902-1955), der das >Büchermachen< (so der Titel eines seiner 1947 selbstverlegten Werke) als »Steckenpferd« ritt, wäre am 19. Juni 2002 hundert Jahre alt geworden. Rechtzeitig zu diesem Datum haben seine Erben dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar den Nachlaß des Büchermachers anvertraut, aus dem nun im Schiller-Nationalmuseum ausgewählte Stücke als Neuerwerbung des Monats gezeigt werden. »Meine Liebhabereien - und damit die Liebhaberei meines Verlages - sind: Streichquartett, Säuglinge, Garten, alles Häuslich-Familiäre, Biedermeier, Antike. Mein Wahlspruch: Kein Roman bei Heimeran!« Die Titel seiner bis heute erfolgreichen Bücher, »von und bei Ernst Heimeran«, entsprachen diesen Stichworten genau: >Das stillvergnügte Streichquartett< (1936), >Der Vater und sein erstes Kind< (1938), >Grundstück gesucht< (1947), >Garteneinmaleins< (1951), >Familienalbum< (1951), >Lehrer, die wir hatten< (1954) usw. Das Stichwort »Antike« steht für die zweisprachigen Ausgaben antiker Klassiker in Heimerans Buchreihe >Tusculum< (1922 ff.), mit der schon der Zwanzigjährige Verlagsgeschichte geschrieben hat.

Ganz am Anfang stand seine Zeitschrift >Der Zwiestrolch<, die Heimeran 1917 als fünfzehnjähriger Gymnasiast gründete und immerhin drei Jahre lang herausgab, ein Blatt ausschließlich für die Versuche von Neun- bis Siebzehnjährigen, heute eine gesuchte Rarität. Den entscheidenden Anstoß für die Verlagsgründung gab seine Verbindung mit dem zehn Jahre älteren Ernst Penzoldt (1892-1955), der sein Schwager wurde und dessen erste Bücher bei Heimeran erschienen. »Er modellierte mich, er las mir seine Gedichte vor, ich las ihm meine Gedichte vor, ich begleitete ihn, er begleitete mich zurück, beständig steckten wir zusammen.« Zeugnis dieser Lebensfreundschaft ist eine umfängliche, von Penzoldt mit spontanen Zeichnungen und Aquarellen angereicherte Korrespondenz, zu der die ebenfalls über Jahrzehnte an den jüngeren Freund gesandten oder ihm hingelegten »Gute Nacht!«-Zettel gehören.

Penzoldts Brief an Heimeran vom 19. Juni 1951, ein Glückwunschbrief, zeigt das Porträt des Geburtstagskindes und obendrein ein Doppelporträt der beiden Freunde. Der farbige »Gute Nacht!«-Zettel mit der Revolutionsszene (wohl von 1933/34) bezieht sich auf eine Erzählung Penzoldts aus dem Umkreis seiner >Powenzbande<.

Die Erwerbung ist bis zum 12. Juli 2002 im Schiller-Nationalmuseum zu sehen.