Pressemitteilungen

2005

PM 56/2003

Um des Dichters Denkmal herum

Turbulente Woche auf Marbachs Schillerhöhe

Marbach, 29. Oktober 2003 —

Vom 7. November bis zum 12. November findet die Marbacher Schillerwoche statt, bei der sich in diesem Jahr alles um den hundertsten Geburtstag des Schiller-Nationalmuseums und den Spatenstich zum Literaturmuseum der Moderne dreht. Die Höhepunkte: Eine Ausstellungseröffnung zum Thema Hundert Jahre Architektur für Literatur mit anschließendem Tag der offenen Tür im Museum und Archiv am Sonntag, den 9. November, und der Besuch des Bundespräsidenten Johannes Rau am 10. November. Johannes Rau hält in der Marbacher Stadthalle vor geladenen Gästen die Schillerrede 2003. Anschließend setzt er den ersten Spatenstich zum Literaturmuseum der Moderne, das Ende 2005 eröffnet werden soll. Die Veranstaltungen im Überblick 7.11., 20 Uhr, Humboldt-Saal, Deutsches Literaturarchiv
Dieter Sauberzweig:
Kommunale Kulturpolitik zwischen gestern und morgen
Dieter Sauberzweig war Kultursenator in Berlin und lange Jahre beim Deutschen Städtetag für Kultur zuständig. Anknüpfend an das kommunalpolitische Wirken von Traugott Haffner betrachtet er die Möglichkeiten kommunaler Kulturpolitik in Vergangenheit und Zukunft. 8.11., 20 Uhr, Kilian-Steiner-Saal, Deutsches Literatuarchiv
Manfred Erhardt:
Kultur und Mäzenatentum
Der Präsident der Deutschen Schillergesellschaft und Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, früher Wissenschaftssenator in Berlin und Ministerialdirektor beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Stuttgart, würdigt die Bedeutung Kilian Steiners für das Marbacher Schillermuseum und fragt nach den Bedingungen und Entwicklungen kulturellen Mäzenatentums damals und heute. 9.11., 11 Uhr, Humboldt-Saal, Deutsches Literaturarchiv
Ausstellungeröffnung
Marbach Schillerhöhe. Hundert Jahre Architektur für Literatur
»Unterkellert bis zum Styx« ist die Schillerhöhe in Marbach am Neckar. Rund 13.000 Quadratmeter des deutschen Literaturarchivs und Schiller-Nationalmuseums erstrecken sich unter der Erde, oben zeigen Museum, Archiv und Collegienhaus ein jeweils ganz eigenes architektonisches Gesicht. Keimzelle der emsigen Bautätigkeit auf begrenztem Platz: Das seit 1859 als Museum genutzte, für seine Bestände rasch zu klein gewordene Geburtshaus von Friedrich Schiller in der Marbacher Altstadt, zu dem dann 1903 auf einem Felsen außerhalb der Stadt ein »Pantheon des schwäbischen Geistes«, das Schiller-Nationalmuseum, hinzugekommen ist. – Pünktlich zum 100. Geburtstag des Schiller-Nationalmuseums wird auf der Schillerhöhe mit dem Bau eines Literaturmuseums der Moderne begonnen. Eine Ausstellung stellt in Plänen, Modellen und Dokumenten die Architektur der Schillerhöhe vor.
Zur Ausstellungseröffnung sprechen Manfred Erhardt, Ulrich Ott und Heike Gfrereis.
Zur Ausstellung erscheint das Marbacher Magazin 103/2003 mit Beiträgen von Ulrich Ott, Heike Gfrereis und Alexander Schwarz, 80 Seiten, zahlreiche z.T. farbige Abbildungen. Broschiert. € 7,–.
Die Ausstellung im Schiller-Nationalmuseum ist bis zum 30. Dezember 2003 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10–18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. 9.11., 13–18 Uhr, Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv
Tag der offenen Tür im Schiller-Nationalmuseum und Deutschen Literaturarchiv
Von 13 Uhr bis 18 Uhr sind die Türen im Archiv und Museum offen: Kostenlose Führungen durch die Magazine des Deutschen Literaturarchivs, geführte Spaziergänge über den >Dichterhügel<, Buchbinden und Scherenschnitte-Basteln für Kinder und eine Museumsführung der besonderen Art warten auf die Besucher: Die dichtende >Aushilfsmuseumsaufsicht< Herr Seidelbast alias Timo Brunke führt zu jeder vollen Stunde in den Fußstapfen der Dichter durch die Dauerausstellungen des Museums. 9.11., 18 Uhr, Schiller-Nationalmuseum
Schillers Räuber in zwanzig Minuten
Von 18 Uhr an zeigt das Theater Rampe aus Stuttgart im Gartensaal des Museums Schillers Räuber mit Playmobilfiguren. Anschließend veranstaltet die Stadt Marbach im Gartensaal den Kehraus zum verkaufsoffenen Sonntag, mit Schiller-Film und Fanfarenzug. 10.11, 11 Uhr, Stadthalle
<b3>Johannes Rau hält die Schillerrede 2003
(Geschlossene Veranstaltung nur für geladene Gäste.) 10.11., 12 Uhr, Baugelände
Spatenstich zum Literaturmuseum der Moderne
Das Deutsche Literaturarchiv bewahrt in seinen Magazinen unter der Schillerhöhe über 1.100 Schriftsteller- und Gelehrtennachlässe – ein kulturelles Gedächtnis von immensem Umfang und Wert, mit derzeit über 22 Millionen Autographen, rund 700.000 >Bibliothekseinheiten< und 200.000 Bildgegenständen. Am 10. November setzt der Präsident der Bundesrepublik Deutschland Johannes Rau in Anwesenheit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Christina Weiß, des baden-württembergischen Wissenschaftsministers Peter Frankenberg und des Architekten David Chipperfield den ersten Spatenstich zu einem neuen Gebäude auf der Schillerhöhe: Im Literaturmuseum der Moderne sollen von November 2005 an die staunenswerten Stücke aus den Bestände des Archivs zum 20. und 21. Jahrhundert gezeigt werden.
Die neuen Ausstellungen auf über 1.000 qm Ausstellungsfläche wenden sich an ein breites interessiertes Publikum und führen auf innovative und variantenreiche Weise hin zu Texten, Epochen, Strömungen, Motiven und Autoren der Moderne, zu den Strategien literarischer Erfindungen und den Weisen des Schreibens und Lesens. Sie wollen gerade auch die junge Generation zur Literatur verführen und Lust machen auf eine vielgestaltige Entdeckungsreise durchs Archiv der Literatur. Dem fortgeschrittenen Literaturliebhaber erschließen die zwischen faktischer Macht und auratischer Wirkung changierenden Originale neue Einsichten. In Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten des kulturellen Lebens werden die Ausstellungen im Turnus von etwa drei Monaten durch Kleinstausstellungen zur Literatur der Gegenwart >up to date< gebracht werden.
Das von David Chipperfield Architects (Berlin) entworfene Gebäude des Literaturmuseums der Moderne besticht durch eine kluge, konsequent auf ihre Funktionalität überprüfte Ästhetik, offensive Lichtregie und die auf verschiedenen Ebenen realisierte Verbindung von Haus und Landschaft, Innen- und Außenräumen, Kunstwelt und Wirklichkeit. Tageslichträume wechseln mit dunklen Kunstlichträumen, Terrassen und verglaste Umgänge mit Innenräumen, die durch optisch und zugleich haptisch ansprechende Materialien wie Holz, Muschelkalk, Sichtbeton und Werkstein geprägt werden. Für die Gestaltung der Ausstellungen konnte in einem Einladungswettbewerb das Büro >element< aus Basel gewonnen werden. Die Eröffnung des Literaturmuseums der Moderne ist für den 10. November 2005 geplant. 12.11., 18.30 Uhr, Schiller-Nationalmuseum
Der junge Schiller
»Ein seltsamer Mißverstand der Natur hat mich in meinem Geburtsort zum Dichter verurtheilt«: Der junge Schiller glaubt drei Jahre nach Erscheinen der Räuber (1781) seine Berufswahl begründen zu müssen. Wie er zum Schreiben kommt, in Ludwigsburg, auf der Solitude und in Stuttgart zeigt Eva Dambacher in der Reihe der Führungen >Mittwochs vor acht< an Zeugnissen des jungen Schiller. 12.11., 20 Uhr, Saal des Gasthauses »Bären«
Schiller und die junge Literatur
Mit Ulrike Draesner und Daniel Kehlmann

Schiller ist der Inbegriff des kanonischen Autors. Aber was bedeutet er uns heute noch darüber hinaus? Zwei der arriviertesten jüngeren Autoren reagieren ganz persönlich auf den Übervater der deutschen Literatur: Ulrike Draesner, geboren 1962, wurde zunächst als Lyrike-rin bekannt. 2002 veröffentlichte sie mit Mitgift einen der »intelligentesten Romane dieser Jahre« (NZZ). Der 1975 geborene Erzähler Daniel Kehlmann hatte zuletzt mit dem Roman Ich und Kaminski sehr großen Erfolg bei Publikum und Kritik.