Pressemitteilungen
2005
PM 18/2004
Deutsches Literaturarchiv in Marbach erwirbt Gadamer-Nachlass: Briefe stellen erstrangige Quellen zur Philosophiegeschichte dar
Marbach, 02. Mai 2004 —
Das Deutsche Literaturarchiv hat jetzt den Nachlass des Philosophen Hans-Georg Gadamer (1900-2002) erworben. Er enthält Aufzeichnungen aus allen Phasen seines Lebens – von Schulaufsätzen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs bis zu Notatheften aus den Neunziger Jahren. Die umfangreichen Korrespondenzen stellen erstrangige Quellen zur Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts dar. Die Reihe der Briefpartner reicht von Husserl bis Derrida, von Nicolai Hartmann bis Jürgen Habermas. In der Handbibliothek Gadamers sind zwei annotierte Exemplare seines Hauptwerks ›Wahrheit und Methode‹ überliefert, die Originalausgabe von Sartres ›L’être et le néant‹ trägt eine handschriftliche Widmung von Martin Heidegger an seinen Schüler Gadamer.
Gadamer gilt als Begründer der modernen hermeneutischen Philosophie. Seine Thesen über die zentrale Bedeutung des Verstehens und der Sprache für alle menschlichen Lebensformen prägten weltweit die Entwicklung der Philosophie und der Geisteswissenschaften. Im Marbacher Literaturarchiv, wo sich unter anderen die Nachlässe von Martin Heidegger, Karl Jaspers, Karl Löwith, Hannah Arendt und Hans Blumenberg befinden, stehen Gadamers Papiere nach ihrer archivarischen Bearbeitung der Forschung zur Verfügung.
