Pressemitteilungen
2005
PM 20/2004
Marbacher Jahresausstellung »Mörike und die Künste«
Der Dichter im Licht der bildenden Kunst und Musik
Marbach, 06. Mai 2004 —
Eduard Mörike war ein Liebhaber und Genießer von zeitgenössischer Literatur, bildender Kunst und Musik. Diese Facette aus dem Leben und Werk des Dichters steht im Mittelpunkt der Jahresausstellung des Marbacher Schiller-Nationalmuseums, die am 8. Mai 2004 ihre Pforten für das Publikum öffnet: »Mörike und die Künste«, so der Titel der Schau zum 200. Geburtstag des Dichters, gibt einen Einblick in die Geisteswelt des »Sohns des Horaz und einer feinen Schwäbin« (Gottfried Keller), zeigt künstlerische Einflüsse und macht auf seine zeitgenössische Rezeption in der bildenden Kunst und Musik aufmerksam. Anhand von 211 Exponaten, einem Einführungsfilm, einem 460 Seiten starken Katalog mit CD sowie Führungen vor Ort bringt die Marbacher Jahresschau den Besuchern bis zum 31. Oktober 2004 die musische Seite von Eduard Mörike nahe.
Bewusst versuchen die Ausstellungsmacher, dem häufig idyllischen Mörike-Bild in der Forschung eine realistische Sichtweise auf das Leben und Werk des Dichters entgegenzusetzen. Mörikes Begegnung mit den Künsten, seine Besuche im Stuttgarter Museum und Theater, in der Oper und im Konzertsaal sind in einer Überschau bislang ebenso wenig erforscht wie die literarische Spiegelung der Künste in seinem eigenem Werk. Dies gilt auch für Mörikes Interesse an der allgemeinen Kunstentwicklung, an den Arbeiten seiner Kollegen sowie für die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Die Marbacher Schau, die der Wissenschaftler und Bearbeiter der Historisch-kritischen Mörike-Ausgabe, Dr. Hans-Ulrich Simon, mit seinen Kollegen Regina Cerfontaine und Albrecht Bergold vorbereitet hat, will diese Aspekte an einzelnen Beispielen zusammenhängend dokumentieren.
Einem Buch ähnlich ist die Marbacher Schau in 13 Kapitel unterteilt: Ein erster Abschnitt präsentiert Mörikes Porträt in zeitgenössischen Zeichnungen und Fotografien, zeigt Bildgedichte des Dichters, die nach Gemälden oder Stichen entstanden sind, ebenso wie Lyrisches, das Mörike nach der Vorlage von Melodien verfasst hat. Thematisiert werden auch die beiden Künstlerfiguren Maler Nolten und Mozart, die Mörike als Protagonisten in seiner Prosa auftreten lässt. Ein zweiter Großabschnitt stellt Zusammenhänge zwischen Mörikes Dichtung und ihrer Rezeption durch andere Künstler her: Es werden Illustrationen aus den Originalausgaben und aus späteren Auflagen gezeigt sowie Notenhandschriften und -drucke von Kompositionen, die durch Mörikes Lyrik angeregt und geschrieben wurden. Ein dritter Themenbereich beleuchtet anhand von Korrespondenzen und Objekten das Interesse des Schriftstellers Mörike für Theater, Museen und Musik sowie für die moderne Fotografie.
Um die Kapitel zu veranschaulichen, haben die Marbacher Ausstellungsmacher nicht nur Objekte aus der hauseigenen Mörike-Sammlung zusammengetragen, sondern auch Leihgaben von rund 30 anderen Institutionen sowie aus Privatbesitz. Aus dem Württembergischen Landesmuseum etwa stammt das Tafelklavier in Teetischform, das der Dichter von dem Stuttgarter Instrumentenbauer Apollo Klinckerfuß für seine private Hausmusik entliehen hatte. In Marbach ist das Instrument bis zum September 2004 zu sehen. Zahlreiche Leihgaben stammen außerdem, aus der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und von der Stiftung Weimarer Klassik in Weimar, jenen Häusern, die neben Marbach die größten Nachlassbestände zu Mörike aufbewahren.
Zur Ausstellung erschienen ist der Marbacher Katalog 57/2004:
Mörike und die Künste. Von Hans-Ulrich Simon unter Mitarbeit von Regina Cerfontaine. 2004. 460 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, 1 CD als Beilage. Broschiert. 30,-€.
