Pressemitteilungen

2005

PM 28/2004

Deutsches Literaturarchiv erhält Nachlass von Max Fürst: Korrespondenz mit HAP Grieshaber und anderen Künstlern

Marbach, 06. Juni 2004 —

Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar hat jetzt den literarischen Nachlass von Max Fürst (1905-1978) übernommen. Fürst, der dem jüdischen Bürgertum in Ostpreußen entstammte, gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Stuttgarter Nachkriegszeit und war mit zahlreichen Künstlern und Autoren befreundet. Der Nachlass enthält die Manuskripte und Materialien zu den beiden autobiographischen Büchern von Max Fürst, »Gefilte Fisch. Eine Jugend in Königsberg« (1973) und »Talisman und Scheherazade. Die schwierigen zwanziger Jahre« (1976), sowie bedeutende Korrespondenzen mit Autoren und bildenden Künstlern, unter ihnen HAP Grieshaber, Ludwig Greve, Jean Améry, Heinrich Böll, Albrecht Goes, Gustav Heinemann, Helmut Heißenbüttel, Friedhelm Kemp, Johannes Poethen und Josua Reichert.

Der aus Königsberg stammende Max Fürst war gelernter Schreiner und engagierte sich in den zwanziger Jahren in der Berliner jüdischen und kommunistischen Jugendarbeit. Gemeinsam mit seiner Frau Margot (1912-2003) wurde er 1933 von der Gestapo verhaftet. Nach seiner Freilassung 1934 emigrierte das Paar nach Israel und kehrte nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurück, wo es sich in Stuttgart niederließ. Zusammen mit HAP Grieshaber begründeten Margot und Max Fürst in Sulz am Neckar die legendäre Bernstein-Schule, eine private Kunstschule, die in der Nachkriegs- und Besatzungszeit für Künstler- und Kunststudenten als Akademie-Ersatz diente. Von hier gingen wichtige Impulse für die Kunst nach 1945 aus. Nach Grieshabers Tod 1981 übernahm Margot Fürst sein Archiv, um es zu bewahren und zu bearbeiten. Auch Fürsts Nachlass verblieb nach seinem Tod zunächst bei seiner Witwe; auf ihren Wunsch übernahm das Deutsche Literaturarchiv jetzt die geistige Hinterlassenschaft.

Info: Fürsts Werk ist jetzt in einer dtv-Gesamtausgabe mit einem Anhang aus nachgelassenen Korrespondenzen und einem Nachwort von Peter Härtling neu erschienen.




.