Pressemitteilungen

2005

PM 48/2004

Briefe

an Ernst Jünger aus vier Jahrzehnten: Korrespondenz des

französischen Germanisten Henri Plard im Deutschen Literaturarchiv

Marbach, 01. September 2004 —

Am 25. Mai dieses Jahres ist der 1920 in Nancy geborene, seit 1946 und bis zu seiner Emeritierung 1985 in Brüssel lehrende Germanist Henri Plard in Uccle/Brüssel gestorben. Deutsche Nachrufe haben mehr als das wissenschaftliche Lebenswerk des universal gebildeten Gelehrten seine über Jahrzehnte geleistete Arbeit als der französische Übersetzer Ernst Jüngers gewürdigt. Henri Plard hat zwischen 1949 und 1988 mehr als zwanzig Bücher Jüngers übersetzt, vom Erstling »In Stahlgewittern« über das Tagebuchwerk »Strahlungen«, das Drogenbuch »Annäherungen« und die »Subtilen Jagden« des Käfersammlers bis zum Spätwerk »Autor und Autorschaft«, dazu die Romane »Heliopolis«, »Eumeswil« und »Die Zwille«, viele Essays und Erzählungen. Die Verbindung zwischen dem Autor und seinem französischen Übersetzer war eng und freundschaftlich, doch sie brach ab, als Plard im Juni 1988 in Freiburg innerhalb einer Vortragsreihe der Universität und des Institut francais, »Ästhetik der Gewalt / Gewalt der Ästhetik. Zur Einschätzung von Ernst Jünger in Frankreich und Deutschland«, über Jüngers »fragwürdige Beliebtheit in Frankreich« sprach und die Bedeutung seines Werks völlig überraschend relativierte.

Plards »Abfall« geht ein über fast vier Jahrzehnte, von 1950 bis 1988 geführter Briefwechsel voraus, der zu den umfang- und inhaltsreichsten, intensivsten und bedeutendsten Korrespondenzen Jüngers gehört. Nach dem Willen Henri Plards haben seine Erben jetzt das gewichtige Konvolut der Briefe, die Ernst Jünger von 1970 bis 1988 an ihn geschrieben hat, dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach übergeben. Es ergänzt und vervollständigt die bisher im Nachlass Jüngers in Marbach überlieferte Korrespondenz der beiden Männer, zu der auch die fast 400 Briefe Plards an Jünger gehören.