Pressemitteilungen
2005
PM 41/2004
Deutsches
Literaturarchiv erwirbt Handschrift von Johannes Bobrowski: Letztes Kapitel des
Romans »Levins Mühle« ist nun vollständig
Marbach, 08. August 2004 —
Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar hat eine bedeutende Handschrift von Johannes Bobrowski (1917-1965) erworben: Es handelt sich um das letzte Kapitel seines Romans »Levins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater«, den der Schriftsteller 1964 veröffentlicht hat. Das Kapitel ist das einzige, das sich überhaupt in der Handschrift erhalten hat. Bislang besaß das Deutsche Literaturarchiv von ihm zwei Manuskriptblätter des Schlusskapitels, die mit dem Nachlass des Dichters 1990 nach Marbach gelangt waren. Die jetzt erworbenen elf Blätter vervollständigen das Kapitel und geben einen wichtigen Einblick in den Entstehungsprozess des Romans. Auf den Rückseiten der Blätter sind auch Gedichte und Fragmente von Bobrowski erhalten, darunter eine Reinschrift des Gedichts »Alte Stadt am Don« von 1955.
| »Levins Mühle« entstand in den Jahren 1962 und 1963. Damals kündigte Bobrowski, der sich gerade mit den Gedichtbänden »Sarmatische Zeit« (1961) und »Schattenland Ströme« (1962) einen Namen als Lyriker gemacht hatte, seinem Freund Christoph Meckel an, neben allerlei kurzen Erzählungen nun auch einen richtigen Roman zu schreiben: »Und dann kommt der Roman.« Den Stoff boten ihm entfernte Familienüberlieferungen aus dem südlichen Westpreußen und den Jahren nach 1870, die Bobrowski mit der Person seines Großvaters verknüpfte und im übrigen sehr frei behandelte, großenteils erfand oder in wichtigen Einzelheiten in ihr Gegenteil verkehrte: Im Roman bekommt der jüdische Mühlenbesitzer Leo Levin, anders als im wirklichen Preußen von 1874, sein Recht nicht. |
Unsere Abbildung zeigt die Seite aus der Handschrift »Levins Mühle« mit dem Gedicht »Pferde«. Foto: DLA/Korner

