Mit dem »Marbacher Kalender 2/2004« präsentieren das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv jetzt ihr Programm für das zweite Halbjahr 2004. Geplant sind auf der Schillerhöhe wieder zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Autorenlesungen. Auch ein Personalwechsel an der Spitze steht in den nächsten Monaten an: Professor Dr. Ulrich Ott, der die Marbacher Institution von 1985 bis 2004 leitete, wird am 8. Oktober 2004 mit einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger, Dr. phil. habil. Ulrich Raulff, wird am 13. November offiziell in sein Amt als Direktor eingeführt. Den Mitgliedern der Deutschen Schillergesellschaft und Literaturfreunden stellt sich Raulff bereits im neuen Marbacher Kalender mit einem kurzen Essay vor. Der 32 Seiten starke und kostenlose Kalender kann bei der Deutschen Schillergesellschaft unter der Adresse: Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv, Postfach 1162, D-71666 Marbach bestellt oder unter www.dla-marbach.de/veranst/marb-kal.html eingesehen werden.
| »Mörike und die Künste«: Veranstaltungen zur Jahresausstellung Noch bis zum 31. Oktober 2004 ist im Schiller-Nationalmuseum in Marbach die große Jahresausstellung »Mörike und die Künste« zu sehen. Die Schau, die anlässlich des 200. Geburtsjahres des Dichters konzipiert wurde und mit rund 4000 Besuchern Anfang August ihre Halbzeit hatte, widmet sich der Frage, welche Kunstwerke - bildende und musikalische - Mörike maßgeblich inspiriert haben, und welche Wirkung seine Dichtung auf die Kunst des 19. Jahrhunderts hatte. Die Ausstellung wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert und von zahlreichen Veranstaltungen im Deutschen Literaturarchiv begleitet: So spricht am Mittwoch, 22. September, der Hamburger Kunsthistoriker Werner Hofmann über Mörike und das Genre des Maler-Romans, am 27. Oktober referiert der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Volker Klotz über die Erzählweise in Mörikes »Lied vom Winde«, und am 12. Oktober widmet sich der Komponist Walter Killmayer in der Stuttgarter Liederhalle dem Thema »Mörike und seine Figuren«. An diesem Abend lesen Killmayer und die Schauspielerin Cornelia Froeboess auch Texte von Mörike, und es wird eine Mörike-Komposition von Wilhelm Killmayer uraufgeführt, die das Deutsche Literaturarchiv gemeinsam mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart in Auftrag gegeben hat. Ein erstes Konzert mit Mörike-Vertonungen findet bereits am 30. September statt: Im Deutschen Literaturarchiv gelangen dann die »Peregrina-Gedichte« von Ralf Gothóni und »Drei Mörike-Gesänge« von Werner M. Grimmen zur Uraufführung. Auch sie sind Auftragsarbeiten der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie und des Deutschen Literaturarchivs. Die Veranstaltungen sind Teil des Literatursommers der Landesstiftung Baden-Württemberg und werden auch von der Robert Bosch GmbH gefördert. | Finissage im Oktober mit einer Filmpremiere: »Mörike 12 - die Nächste« Kurz vor Beginn der letzten Ausstellungswoche, am Sonntag, 24. Oktober, zeigt das Schiller-Nationalmuseum den Kulturfilm »Mörike 12 - die Nächste« des Stuttgarter Produzenten und Regisseurs Dieter Zimmermann. Zwölf Gedichte von Eduard Mörike - »Traum vom Leben«, »Agnes«, »Restauration«, »Mausfallensprüchlein«, »Besuch in Urach«, »Im Frühling«, »An die Geliebte«, »Tetra Ode im Übermarkt«, »Erbauliche Betrachtung«, »Septembermorgen«, »An einem Wintermorgen«, »Um Mitternacht« - werden von zwölf Menschen der Gegenwart neu interpretiert. Zimmermann greift für die Sequenzen auf Darsteller aus seiner unmittelbaren Umgebung zurück: Sprachkünstler, Schauspieler, Designer, Jugendliche, Musiker, Tänzer und Männerchöre lesen, sprechen, singen, rappen, tanzen oder vertonen Mörikes Verse. Mit seinem ungewöhnlichen Konzept will der Regisseur »das Gedicht ins Gespräch« bringen und »fernab von Lesungssälen und Schulen« eine moderne Übersetzung der Mörikeschen Sprachmelodien in die Atmosphäre der Bilder liefern. Die Idee zum Film stammt von dem Stuttgarter Autor und Slam-Poeten Timo Brunke. In Marbach wird Zimmermanns Film uraufgeführt. Peter Szondi und Portraitplastik der Moderne: Zwei Kabinettausstellungen Wer war Peter Szondi? Dieser Frage geht vom 12. Dezember 2004 bis zum 27. März 2005 die Kabinettausstellung »Engführungen. Peter Szondi und die Literatur« im Schiller-Nationalmuseum nach. Szondi (1929-1971) war ein außergewöhnlicher Literaturwissenschaftler, Autor der »Theorie des modernen Dramas« (1956) und Professor an der Freien Universität in Berlin. Als Jude entkam er knapp der Ermordung durch die Nationalsozialisten in Bergen-Belsen, als Wissenschaftler widmete er sich der Frage des »Tragischen« und der Kunstphilosophie der Romantik. Als Intellektueller stritt Szondi hartnäckig für die theoretischen und politischen Grundlagen seiner Philologie. Die Marbacher Ausstellung zeigt mit Hilfe von Briefen an und von Paul Celan, Theodor W. Adorno und Gershom Sholem Szondis sehr persönliche Herangehensweise an Wissenschaft, Leben und Interpretation. - Vom 23. Januar bis zum 27. März 2005 widmet sich eine zweite Ausstellung im Schiller-Nationalmuseum dem Genre der modernen Portraitplastik: Erstmals wird hier eine Auswahl von Büsten und Statuetten prominenter Persönlichkeiten des literarischen Lebens vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart vereint. Die Reihe der Dargestellten reicht von Gerhart Hauptmann und Rainer Maria Rilke über Heiner Müller und Walter Jens bis hin zu Siegfried Unseld und Marcel Reich-Ranicki; unter den Künstlern sind namhafte Bildhauer wie Rudolf Belling, Georg Kolbe, Bernhard Heiliger, Gustav Seitz und Wieland Förster vertreten. - Vor der Eröffnung der Ausstellungen werden im Museum die langjährigen Dauerausstellungen zu Friedrich Schiller und Friedrich Hölderlin abgebaut: Sie sind am 14. November 2004 zum letzten Mal zu sehen. Vor der Ausstellung I: Einblicke in die Schiller-Jahresausstellung 2005 Schon im Herbst des Mörike-Jahres wirft das Schiller-Jahr seine Schatten voraus. Mit der Veranstaltung »Vor der Ausstellung I: Schiller 2005« geben die beiden Kuratoren der Marbacher Schiller-Jahresausstellung »Götterpläne und Mäusegeschäfte. Schiller 1759-1805«, Dr. Frank Druffner und Martin Schalhorn, Einblick in die Konzeption der großen Sonderausstellung, die ebenfalls von der Landesstiftung unterstützt wird. Am Dienstag, 9. November, erläutern sie im Gartensaal des Museums ihre Perspektive auf den Dichter und spüren den Zusammenhängen respektive Widersprüchen zwischen Dichten und Leben nach, die Schillers Biographie und Werk in besonderer Weise geprägt haben. Bereits am Dienstag, 14. September 2004, stellt außerdem der Schriftsteller Rüdiger Safranski im Literaturhaus in Stuttgart seine Schiller-Biographie »Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus« erstmals öffentlich vor. Der Abend wird vom Direktor des Deutschen Literaturarchivs, Professor Dr. Ulrich Ott, moderiert. Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Literaturhauses Stuttgart und des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs in Marbach. Autorenlesungen im Marbacher Herbst 2004 Fünf hochkarätige Autoren sind im Herbst 2004 zu Gast in Marbach. Den Anfang macht am 4. Oktober 2004 Hilde Domin, die große alte Dame der deutschen Gegenwartsliteratur. Die mittlerweile 95-jährige Dichterin wird in Marbach aus ihrem Lebenswerk lesen. Am 13. Oktober 2004 kommt Ralf Rothmann ins Deutsche Literaturarchiv: Der 51-jährige Autor, der sich mit seinem Roman »Stier« (1991) den Ruf des wohl besten Chronisten der wegrationalisierten Ruhrpott-Kultur erschrieben hat, liest aus seinem jüngsten Roman »Junges Licht«, in dem er erneut eine Kindheit im Ruhrgebiet beschwört. Christoph Hein, der diesjährige Träger des Schiller-Gedächtnis-Preises, besucht das Deutsche Literaturarchiv am 9. November, um aus seinen viel diskutieren Büchern »Willenbrock« (2000) und »Landnahme« (2004) sowie aus seiner Aufsatzsammlung »Aber der Narr will nicht« (2004) zu lesen. Am 8. Dezember stellt der Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Klaus Pohl sein jüngstes, noch nicht aufgeführtes Drama »Weniger ist mehr« in der Reihe der »Marbacher Dialoge« vor. Pohl, der Drehbücher und Stücke geschrieben hat, lebt als Burgschauspieler in Wien. Die Lesung findet in Zusammenarbeit mit der Filmakademie in Ludwigsburg statt. Den Schlusspunkt der Marbacher Lesungssaison setzt am 19. Januar 2005 Herta Müller: Die in Rumänien geborene Schriftstellerin präsentiert in Marbach ihren zuletzt erschienenen Band »Der König verneigt sich und tötet«, eine eindrucksvolle poetische und politische Selbsterkundung. Vor der Ausstellung II: Einblick in das neue Literaturmuseum der Moderne Zukunftsweisend ist nicht nur der Wechsel an der Spitze des Schiller-Nationalmuseums und Deutschen Literaturarchivs, sondern auch die große Baugrube, die vor dem Schiller-Nationalmuseum klafft: Als dritter Bau auf der Schillerhöhe entsteht das Literaturmuseum der Moderne. Es wird im Frühjahr 2006 mit Dauer- und Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Literatur eröffnet. Derzeit liegt der Bau ganz im Zeitplan. Im Halbjahresprogramm 2004 informiert die Veranstaltung »Vor der Ausstellung 2: Das Literaturmuseum der Moderne« am 8. Dezember über die Entstehung und das künftige Innenleben dieses dritten Gebäudes auf der Schillerhöhe. Dr. Heike Gfrereis und Dr. Roland Kamzelak stellen Exponate vor, die von 2006 an im Literaturmuseum der Moderne eine Literaturgeschichte der Realien zeigen, und beantworten Fragen zum Museum. Am Tag der offenen Tür des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturar-chivs am Sonntag, 7. November, werden sechs Baustellenführungen für die Öffentlich-keit angeboten. Treffpunkt ist der Haupteingang des Schiller-Nationalmuseums. jeweils um 14 Uhr, 14.30 Uhr, 15 Uhr, 15.30 Uhr, 16 Uhr und 16.30 Uhr. Auf Nachfrage informieren wir Sie gerne auch zu einem anderen Zeitpunkt über den Fortgang des Baus unter Telefon 07144-848-113. |
