Pressemitteilungen
2005
PM 55/2004
Abschied
vom Literaturarchiv: Ulrich Ott geht in den Ruhestand -
Mitarbeiter bedanken sich mit einer Kabinettausstellung
Marbach, 07. Oktober 2004 —
Foto: Chris Korner
Professor Dr. Ulrich Ott, langjähriger Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar, geht in den Ruhestand. Am heutigen Freitag, seinem 65. Geburtstag, nimmt Ott von der international geschätzten Institution, die er 19 Jahre lang geleitet und geprägt hat, offiziell Abschied. In der Marbacher Stadthalle würdigen zahlreiche Redner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft seine Arbeit für die Marbacher Schillerhöhe in festlichem Rahmen.
Auf besondere Weise verabschieden sich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs von ihrem Direktor: Vom heutigen 8. Oktober an bis zum 13. November haben sie im Schiller-Nationalmuseum eine Kabinettausstellung zu Ehren Ulrich Otts mit dem Titel »Antike in Sicht« Strandgut aus dem Deutschen Literaturarchiv« vorbereitet, die 25 ausgewählte Stücke aus der Marbacher Sammlung zeigt. Die Gegenstände beschäftigen sich allesamt mit der deutschen Literatur und Kunst und ihrem Bezug zur Antike und sind, wie der Untertitel der Schau verrät, »Strandgut« der Marbacher Magazine aus den vergangenen zwanzig Jahren« jener Zeit, die Ulrich Ott maßgeblich geprägt hat. Die »Kieselsteine, Spiegelscherben und schönen Muscheln« stammen aus den Erwerbungen der Handschriftenabteilung, der Bibliothek und Dokumentationsstelle, der Bildabteilung und des Cotta-Archivs. Sie sind oft unscheinbar und doch ästhetisch, von unterschiedlichem Wert und Nutzen für die Wissenschaft und dennoch der Rede wert: Briefe und Briefumschläge finden sich neben Gedichten und Gedichtentwürfen, Stiche, Scherenschnitte und Gemälde neben historischen Porträts, Werkausgaben neben Hörbüchern und einem Fernsehinterview. Begleitet wird die kleine Ausstellung vom Marbacher Magazin 107 gleichen Titels, in dem die 25 Beiträger ihre »Fundstücke« vorstellen. Das Magazin, dessen Umschlag eine Muschel ziert, wird Ulrich Ott am heutigen Freitag als Glückwunsch, Dank und Abschiedsgruß vom Leiter der Handschriftenabteilung Dr. Jochen Meyer überreicht, der die Publikation herausgegeben hat.
Ott, 1939 in Essingen bei Aalen geboren, blickt auf ein abwechslungs- und ereignisreiches Berufsleben zurück. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Tübingen, Wien und Berlin wurde er 1965 mit einer Arbeit über Theokrit promoviert. Bis 1970 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und wissenschaftlicher Assistent am philologischen Seminar der Universität Tübingen. Von 1972 bis 1976 arbeitete Ott als Bibliothekar in Hannover, von 1976 bis 1980 war er stellvertretender Bibliotheksdirektor der Universität Konstanz, von 1980 bis 1985 sodann Direktor der Universitätsbibliothek Trier. Seit 1985 ist Ulrich Ott Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar. In dieser Funktion ist er zugleich Geschäftsführer der Deutschen Schillergesellschaft. 1997 wurde ihm vom Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg der Titel des außerordentlichen Professors verliehen.
Als Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs festigte Ott die Bedeutung der Institution als Quelleninstitut für die neuere deutsche Literatur in Deutschland und Europa und zeichnete sich maßgeblich auch als Bauherr aus: In seiner Amtszeit wurde das Deutsche Literaturarchiv erweitert, ebenso entstand ein Collegienhaus, das Forscher aus aller Welt aufnimmt. Derzeit wird auf der Schillerhöhe das Literaturmuseum der Moderne gebaut, das 2006 mit einer Ausstellung zur Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts eröffnet werden wird.

