Pressemitteilungen

2005

PM 47/2004

»Gefilte Fisch« als zweite »Zeitkapsel«:

Jochen Meyer stellt im Deutschen Literaturarchiv Marbach Dokumente zur Autobiographie von Max

Fürst vor

Marbach, 24. August 2004 —

»Time capsules« nannte Andy Warhol seine Pappschachteln, in denen er Dinge für die Nachwelt sammelte und verschloss. Im Deutschen Literaturarchiv Marbach öffnet sich am Mittwoch, 8. Juni, 20 Uhr, zum zweiten Mal eine solche »Zeitkapsel«: Jochen Meyer, Leiter der Handschriftenabteilung des Deutschen Literaturarchivs, wird Manuskripte und Dokumente rund um die Autobiographie »Gefilte Fisch und wie es weiterging« von Max Fürst (1905-1978) vorstellen. Der Autor wäre am 2. Juni hundert Jahre alt geworden.

Vom Brotberuf Tischler und Möbelrestaurator, engagierte sich Fürst früh in der jüdischen Jugendbewegung und in linken Kreisen der Gesellschaft: In den zwanziger Jahren gehörte er zu den Mitbegründern des Schwarzen Haufens, einer mit Lebensformen experimentierenden Jugendgruppe, später eröffnete er in Berlin eine selbst verwaltete Jugendberatungsstelle. Von den Nationalsozialisten verfolgt, eingesperrt und misshandelt, wanderte Fürst 1935 mit seiner Frau Margot und seinen zwei Kindern nach Israel aus. Erst 1951 kehrte er nach Stuttgart zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1978 lebte und arbeitete. Er war unter anderem an der Bernsteinschule in Sulz tätig, seine Frau Margot im Archiv des Künstlers HAP Grieshaber.

Als Erzähler überregional bekannt wurde Fürst durch seine Autobiografie »Gefilte Fisch und wie es weiterging«, die an verschollene oder ermordete Freunde und Bekannte erinnert. Der Nachlass von Margot und Max Fürst befindet sich neuerdings im Deutschen Literaturarchiv Marbach, wo ihn Jochen Meyer genauer betrachtet hat. Der Eintritt in die Veranstaltung kostet 5,- Euro (ermäßigt: 3,- Euro).