Pressemitteilungen

2005

PM 10/2005

Deutsches Literaturarchiv

Marbach zeigt Dokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der

»Räuber« in Sindelfingen

Marbach, 09. Februar 2005 —

 »Mir ekelt vor diesem tintengleksenden Sekulum!« Mit seinem Ausruf hat Karl von Moor, der tragische Held der »Räuber«, in der Literaturgeschichte Weltruhm erlangt - und mit ihm der 21-jährige Verfasser des Stücks, der zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung als Regimentsmedikus in württembergischen Diensten stand: Friedrich Schiller. Kaum ein anderes Jugendwerk ist für seinen Verfasser so prägend geworden wie »Die Räuber« für Schiller: Am 13. Januar 1782 in Mannheim uraufgeführt, begründete der Dramenerstling nicht nur seine Bekanntheit, sondern auch sein Selbstverständnis als Schriftsteller. Dieser Bedeutung der »Räuber« geht vom 24. Februar bis zum 10. März 2005 eine kleine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Foyer der Stadthalle Sindelfingen nach: Sie begleitet eine Inszenierung des Dramas durch das Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen am 24. Februar 2004 in der Congress Center Stadthalle Sindelfingen.

Rund zwei Dutzend Bilddokumente, frühe Drucke und Selbstzeugnisse zur Entstehung, Aufführung und Rezeption des Stücks haben die Kuratoren der Ausstellung, Dr. Frank Druffner und Martin Schalhorn, aus den Beständen des Deutschen Literaturarchivs ausgewählt, um die Bedeutung der »Räuber« für Schillers weiteres Leben, den Theaterbetrieb und die posthume Rezeption des Dichters anschaulich zu machen. Details aus der Biographie illustrieren die Kuratoren mit dem Konterfei des Dichters nach einem Stich von Friedrich Kirschner, dem Bürgerbrief aus Frankreich an den »Freiheitskämpfer« Schiller nach der Französischen Revolution und der Ankündigung der »Rheinischen Thalia« von 1784. Ein Theaterzettel der Uraufführung aus Mannheim und ein Theaterkalender mit Illustrationen von Daniel Chodowiecki versinnbildlichen die Mechanismen des zeitgenössischen Theaterbetriebs, ebenso wie eine Zeichnung von Victor Heideloff, die Schiller als Rezitator der »Räuber« am Stuttgarter Bopser zeigt. Verschiedene Ausgaben der »Räuber«, die »Räuber-Lieder« von Johann Rudolf Zumsteeg und verschiedene Theaterplakate aus dem 19. und 20. Jahrhundert runden den Streifzug durch die Rezeptionsgeschichte ab. An dessen Ende wird vor allem eines deutlich: Schiller gelang es schon zu Lebzeiten nicht mehr, den Ruf des jugendlichen Freiheitsdichters abzustreifen. Dies hing einerseits mit dem Stück selbst, seinen Figuren, seiner Sprache und ihrem Gestus zusammen. Andererseits war das Bild des kraftgenialischen Dramenschreibers auch das Ergebnis einer Selbststilisierung, auf die der noch unbekannte Dichter Schiller zum Zweck seiner Vermarktung setzte. Auch sie trug letztlich zu seinem Erfolg bei.