Pressemitteilungen

2005

PM 23/2005

Programmfrühling in

Marbach: Veranstaltungen des Literaturarchivs stehen im Zeichen

Friedrich Schillers und des Kriegsendes 1945

Marbach, 22. März 2005 —


Foto: DLA Marbach

Die Totenmaske bannt sofort den Blick des Betrachters. Die Augen des Gestorbenen sind geschlossen - umso erstaunlicher, dass neben der Abbildung zu lesen ist: »Ich habe die Menschen gesehen ...«. Diese Worte lässt Friedrich Schiller seinen Helden Karl von Moor in den »Räubern« sagen: »Ich habe die Menschen gesehen, ihre Bienensorgen und ihre Riesenprojekte - ihre Götterpläne und ihre Mäusegeschäfte«. Kaum 46 Jahre alt, starb Schiller am 9. Mai 1805. Für das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv ist sein 200. Todesjahr Grund genug, zahlreiche Veranstaltungen von April bis Juni dem großen Dichter zu widmen.

Grün und rot sind diesmal die dominierenden Farben auf dem Plakat. Zum zweiten Mal veröffentlicht Marbach sein Programm auf diese Weise. Auf rotem Grund in weißer Schrift sind jene Veranstaltungen zu finden, die Schiller von April bis Juni in den Mittelpunkt stellen: Am 23. April öffnet das Schiller-Nationalmuseum seine Türen für die große Sonderausstellung »Götterpläne & Mäusegeschäfte. Schiller 1759-1805«. Rund um die Eröffnung findet vom 21. bis 24. April außerdem eine internationale Vortragsreihe mit namhaften Intellektuellen wie George Steiner oder Nicholas Boyle statt. Der Kulturfilm »Die doppelte Johanna« (6. April) und der 1923 gedrehte Spielfilm »Friedrich Schiller - eine Dichterjugend. Von Curt Goetz« (22. April) machen die posthume Auseinandersetzung mit Schillers Leben und Werk auf heutigen Bühnen und vor 80 Jahren zum Thema. Zu einer »KunstNacht« mit Schiller in Stuttgart und Marbach laden das Deutsche Literaturarchiv und die Staatsgalerie am 4. Juni ein. In ihrem Verlauf wird auch eine Comic-Ausstellung in Schillers Geburtshaus mit Arbeiten von Horus eröffnet. Über den Philosophen Schiller sprechen am 22. Juni Manfred Frank und am 30. Juni Volker Gerhardt.

Grün leuchtet der zweite Schwerpunkt des Marbacher Frühlings: das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945. Eine kleine Fotografie in der oberen Hälfte des Programmplakats zeigt einen Tagebucheintrag, geschrieben in steiler Schrift mit blauer Tinte auf sandfarbenem Grund. Undeutlich ist über dem Datum das Wort zu erkennen: »Waffenstillstandstag«. C. F. W. Behl hat es am 8. Mai 1945 in seinen Kalender notiert. Das Deutsche Literaturarchiv und das Staatstheater Stuttgart erinnern am 6. Mai an das Ereignis des Kriegsendes mit einer langen Lesenacht unter dem Titel »Die letzten Tage«. Schauspieler lesen aus unveröffentlichten Briefen und Tagebüchern, die den Tiefen des Marbacher Archivs entstammen; der Historiker Christian Meier und der Literaturwissenschaftler Klaus Briegleb diskutieren über Geschichtsschreibung, Gedächtnispolitik und das literarische Leben seit 1945. Die Thematik des Krieges nimmt auch der Schriftsteller Jochen Missfeldt auf, der am 11. Mai im Deutschen Literaturarchiv aus seinem Roman »Steilküste« liest.

Auch in diesem Programmfrühling werden zwei Veranstaltungen von Marbacher Wissenschaftlern gestaltet: Am 8. Juni öffnet der Leiter der Handschriftenabteilung, Jochen Meyer, eine zweite »Zeitkapsel« und präsentiert interessierten Besuchern Dokumente aus dem Nachlass des jüdischen Intellektuellen Max Fürst. Nicolai Riedel, Mitarbeiter der Marbacher Bibliothek, erzählt am 15. Juni aus seiner Arbeit als Bibliograph, die mit ihren Merkmalen der Spurensuche und der Rekonstruktion von Zusammenhängen bisweilen an die Tätigkeit eines Detektivs erinnert.

Literatufreunde zahlen für alle Veranstaltungen an der Abendkasse 5 Euro. Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft haben, ebenso wie Schüler, Studenten und Rentner, ermäßigten Eintritt (3 Euro). Wer die Vortragsreihe »Schiller international« komplett hören möchte, entrichtet für alle vier Tage 15,- Euro (ermäßigt: 10,- Euro). Karten können unter Telefon 07144-848-0 vorbestellt werden; auch Formulare für die Mitgliedschaft in der Deutschen Schillergesellschaft sind hier zu haben. Führungen können im Museum unter der Nummer 07144-848-601 gebucht werden.