Pressemitteilungen

2005

PM 27/2005

Briefe rund ums Feuilleton

der »Zeit«: Der Korrespondenznachlass von Rudolf Walter

Leonhardt ist im Deutschen Literaturarchiv in Marbach

Marbach, 11. April 2005 —

Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar hat jetzt den Korrespondenznachlass des Publizisten Rudolf Walter Leonhardt (1921-2003) erworben. Im Mittelpunkt stehen die Redaktionsbriefe des »Zeit«-Feuilletonisten vom Ende der 50er bis in die 70er Jahre. In dieser Funktion hatte Leonhardt unter anderem mit Ilse Aichinger, Alfred Andersch, Rudolf Augstein, Günter Grass, Graham Greene, Walter Jens, Uwe Johnson, Wilhelm Lehmann, Rolf Liebermann, Hans Mayer, Ulrike Meinhof, Marcel Reich-Ranicki, Max Rychner, Friedrich Sieburg und Peter Wapnewski korrespondiert.

Leonhardt hatte nach seiner Promotion 1950 bei Ernst Robert Curtius in Bonn zunächst an der Universität Cambridge unterrichtet, bevor er 1953 nach mehrjähriger Arbeit für den BBC in London zur »Zeit« nach Hamburg wechselte. Hier war er als Auslandskorrespondent und politischer Redakteur und dann als Feuilleton-Chef und stellvertretender Chefredakteur tätig. Seine Leitung hat das »Zeit«-Feuilleton geprägt.

Die in Marbach aufbewahrten Briefe sind von den Themen der 60er Jahre bestimmt. Als Feuilletonjournalist setzte sich Leonhardt mit der Rolle einzelner Germanisten im Dritten Reich auseinander, suchte nach Möglichkeiten einer fairen Neubewertung von Autoren, die unter Hitler erfolgreich waren, und wirkte in kritischen Debatten um Carl Zuckmayer sowie um Erich Kästner mit (Leonhardt hatte 1966 den Sammelband »Kästner für Erwachsene« herausgegeben). Einzelne Briefwechsel wachsen sich zu umfangreichen und freundschaftlichen Privatkorrespondenzen aus - so mit Heinrich Böll, Erich Kästner, Siegfried Lenz, Robert Neumann, Martin Walser und Carl Zuckmayer. Bedeutsam sind auch die Einzelkorrespondenzen mit Kollegen der »Zeit«, zu denen etwa die Briefe an Marion Gräfin Dönhoff, Josef Müller-Marein und Theo Sommer gehören.

In Marbach ergänzen Leonhardts Briefe die stattliche Reihe vorhandener Nachlässe von Publizisten wie Rudolf Hartung, Wilhelm Hausenstein, Siegfried Kracauer, Joachim Moras und Hans Paeschke (»Merkur«), von Benno Reifenberg, Friedrich Sieburg, Dolf Sternberger und anderen. Mit den »Zeit«-Korrespondenzen aus den 60er und 70er Jahren geben sie zugleich die Basis für den schon archivierten Vorlass von Fritz J. Raddatz, dessen Briefe aus dem Feuilleton der »Zeit« an Leonhardts Schreiben zeitlich anschließen.