Pressemitteilungen
2005
PM 28/2005
»Schiller
international«: Viertägige Vortragsreihe geht im Deutschen
Literaturarchiv in Marbach Schillers Wirkung in Europa nach
Marbach, 13. April 2005 —
Foto: Isolde Ohlbaum
Bitte beachten Sie: Der für Sonntag, 24. April, 11 Uhr, angekündigte Vortrag von Etienne Francois entfällt wegen Krankheit des Referenten!
Ist Schiller ein Dichter deutscher Nationen? Unter welchem Blickwinkel betrachten ihn heute Intellektuelle, Germanisten und Übersetzer aus dem Ausland? Diesen Fragen geht von Donnerstag, 21. April, bis Sonntag, 24. April, die Vortragsreihe »Schiller international« im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar nach. Referenten sind namhafte Persönlichkeiten und Gelehrte wie Adolf Muschg, Ute Frevert, Giuseppe Bevilacqua Svetlana Geyer, Nicholas Boyle und Etienne François; sie sprechen allesamt über Schillers Wirkung in jenen Ländern, aus deren Geschichte der Dichter seine Dramenstoffe wählte. Diesem Thema widmet sich auch der Universalgelehrte und Ludwig-Börne-Preisträger George Steiner in seinem Eröffnungsvortrag zur großen Sonderausstellung »Götterpläne & Mäusegeschäfte. Schiller 1759-1805« am Samstag, 23. April, 20 Uhr. »Schiller international wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.
Mit »Schillers Schweiz« setzt sich am Donnerstag, 21. April, 20 Uhr, der Büchner-Preisträger Adolf Muschg auseinander. Berühmt wurde Muschg durch seine Romane »Der Rote Ritter« (1993) und »Sutters Glück« (2001). Doch auch als Literaturwissenschaftler spielt er eine wichtige Rolle. 1934 in Zollikon geboren, studierte er Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und Cambridge. Von 1970 bis 1999 war er Professor für Germanistik in Zürich; derzeit ist Muschg Präsident der Berliner Akademie der Künste. Soeben veröffentlichte er seinen neuen Roman »Eikan, du bist spät«.
Über »Schiller – ein Dichter für viele deutsche Nationen« spricht am Freitag, 22. April, 16 Uhr, die Historikerin Ute Frevert (Yale). Geboren 1954, war Frevert Professorin an der Universität Bielefeld; heute unterrichtet sie in Yale. Die Leibniz-Preisträgerin veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Sozial- und Geschlechtergeschichte, darunter 1991 ihre aufsehenerregende Studie »Ehrenmänner. Das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft« und 2001 die Untersuchung »Die kasernierte Nation. Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland«.
Am selben Freitag, 22. April, 20 Uhr, folgen die Überlegungen des namhaften italienischen Germanisten Giuseppe Bevilacqua (Florenz) zu »Federico Schiller: Eine Galionsfigur des Risorgimento«. Bevilacqua (geboren 1926) wurde in Deutschland durch seine lebenslange Beschäftigung mit Paul Celan bekannt, den er nicht nur ins Italienische übertrug, sondern auch persönlich kannte. Bevilacqua ist korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2004 erschien die deutsche Ausgabe seiner Celan-Studien »Auf der Suche nach dem Atemkristall«.
»Gibt es noch ein Annähern an Friedrich Schiller?« fragt am Samstag, 23. April 2005, 20 Uhr, George Steiner (Cambridge) in seinem Festvortrag im Kilian-Steiner-Saal. Steiner gilt als einer der wenigen Universalgelehrten der Gegenwart. Geboren 1929 in Paris, emigrierte Steiner 1940 mit seiner Familie nach New York. Er lehrte 20 Jahre lang vergleichende Literaturwissenschaft an den Universitäten von Genf und Cambridge. Seit 1994 ist er Professor für Komparatistik an der Universität in Oxford. 2004 erschien sein Buch »Der Meister und seine Schüler«.
Den Blick auf Großbritannien lenkt am Sonntag, 24. April 2005, 16 Uhr, Nicholas Boyle mit seinem Vortrag »Schiller und England oder die feindlichen Brüder«. Boyle hat die deutsche Literatur als britischer Jugendlicher bereits in den fünfziger Jahren für sich entdeckt und wurde durch seine große Goethe-Biographie berühmt, die mittlerweile ein Standardwerk geworden ist. Der 1946 geborene Germanist lehrt an der University of Cambridge und ist Mitglied der British Academy.
Schillers Einfluss auf einen großen russischen Schriftsteller spürt Svetlana Geier (Freiburg i. Br.) zum Abschluss am Sonntag, 24. April, 20 Uhr, mit einem Referat über »Dostojewski liest Schiller« nach. Geier, geboren 1923 in Kiew, hat mit ihren Übersetzungen der Romane Dostojewskis Maßstäbe gesetzt. Außerdem hat sie Lew Tolstoj, den »russischen Kafka« Platonow, den Nobelpreisträger Solschenizyn und viele andere Autoren ins Deutsche übertragen. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt veröffentlichte sie ihre einhellig gefeierte Neuübersetzung der »Brüder Karamasow«.
Karten für die Vorträge sind zum Preis von 5,- Euro (ermäßigt: 3,- Euro) im Deutschen Literaturarchiv zu haben; Reservierungen sind unter Telefon 07144-848-0 möglich. Ein Kombiticket für alle Vorträge kostet 15,- Euro (ermäßigt 10,- Euro).
Fotos der Referenten finden Sie unter www.schiller-weimar-marbach.de

