Pressemitteilungen
2005
PM 36/2005
60 Jahre nach dem
Kriegsende: Jochen Missfeldt liest im Deutschen Literaturarchiv Marbach
aus seinem neuen Roman »Steilküste«
Marbach, 06. Mai 2005 —
Was begreift ein Vierjähriger, wenn er am 3. Mai 1945, wenige Tage vor der deutschen Kapitulation, an der Ostsee einlaufende Kriegschiffe beobachtet? Vermutlich nicht allzu viel, denn »Kapitulation« ist für ihn ein großes, fremdes Wort. Doch die Erinnerung an das Erlebnis bleibt wach, und Jahre später wird sie im Erzählen verarbeitet. »Steilküste« heißt der jüngste Roman von Jochen Missfeldt, der die Gesetze des Krieges zum Thema hat. Am Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, liest der Autor im Deutschen Literaturarchiv Marbach aus seinem Werk. Der Eintritt in die Veranstaltung beträgt 5,- Euro (ermäßigt 3,- Euro).
Missfeldt erzählt in »Steilküste« die Geschichte zweier junger Soldaten, die im Mai 1945 ihre Truppe verlassen und auf der dänischen Insel Fünen zu Fuß den Weg nach Hause antreten. Die weltpolitische Lage erkennen sie richtig, doch vom Durchhalte-Wahn ihrer Vorgesetzten machen sie sich keine Vorstellung. Sie werden festgenommen und in die Geltinger Bucht gebracht, wo sie das Marinekriegsgericht zum Tode verurteilt. Es wird vollstreckt, noch nach Beendigung aller Kampfhandlungen – »durch Erschießen«.
1941 in Satrup bei Schleswig geboren, erlebte Missfeldt das Ende des Zweiten Weltkriegs im selben Alter mit wie der Erzähler seines Romans Gustav. Schon während seiner Zeit als Fliegeroffizier bei der Luftwaffe begann er zu schreiben, studierte später Musikwissenschaft und Philosophie. Er veröffentlichte Prosa- und Lyrikbände und 1989 seinen ersten Roman »Solsbüll«. Für seinen zweiten Roman, »Gespiegelter Himmel«, erhielt er 2002 den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. Missfeldt lebt in Nordfriesland.
