Pressemitteilungen
2005
PM 43/2004
Schiller und Cotta auf dem Rosenstein: Das Marbacher
»Spuren-Heft« 69 schildert die Begegnung des Dichters mit
dem Verleger der Klassiker
Marbach, 22. Mai 2005 —
Foto: Christ Korner /DLA
»Der 4te Mai ist der Jahrstag unserer Spazierfarth auf den Kahlstein bei Cantstadt«, erinnert 1803 der Verleger Johann Friedrich Cotta seinen Autor Friedrich Schiller an einen denkwürdigen Tag in beider Leben. Neun Jahre sind seit jenem 4. Mai 1794 vergangen, an dem sich der Tübinger Verleger und der Dichter zum ersten Mal in Stuttgart begegneten. Cotta hat Schiller, der seit 1793 auf einer »Schwabenreise« weilt, zu einem Ausflug gebeten; er will ihm seine verlegerischen Pläne unterbreiten. Schiller willigt ein, denn auch er hat Projekte und braucht Geld. Auf der Spazierfahrt von Stuttgart an den heutigen Rosenstein wird der Grundstein für eine Autor-Verleger-Beziehung gelegt, die in der deutschen Literaturgeschichte einzigartig ist: In Cotta findet Schiller endlich jenen Verleger, der sich bereit erklärt, sein Lieblingsprojekt, die Zeitschrift »Die Horen«, in die Tat umzusetzen.
»Dass Sie der Verleger aller meiner künftigen Schriften werden«, heißt folgerichtig jenes 69. Heft der Marbacher Reihe »Spuren«, in dem Martin Schalhorn die wichtige Begegnung zwischen Autor und Verleger auf 16 Seiten nachzeichnet. Der Titel der Publikation, die von der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg in Marbach am Neckar herausgegeben wird, nimmt ein Zitat aus einem Schillerschen Brief an Cotta auf. Auch im folgenden zeichnet Schalhorn anhand der Korrespondenz, szenischen Episoden und einiger Abbildungen die Kutschfahrt der Schwaben von Stuttgart nach Untertürkheim auf den Kahlenstein, den heutigen Rosenstein, nach. Dieser Ort markiert eine Zäsur in Schillers Schriftstellerlaufbahn, denn beim Blick ins Neckartal werden sich Cotta und Schiller des Außerordentlichen ihrer Konstellation bewusst. Hier findet die Geburt des Weimarer Klassikers statt.
Cottas Beziehung zu Schiller dauert lebenslang und führt weitere große Schriftsteller und Wissenschaftler wie Goethe oder Alexander von Humboldt nach Tübingen. 1798, vier Jahre nach der ersten Begegnung, setzt Schiller seinem Verleger ein schriftliches Denkmal: »Ich zweifle keinen Augenblick, daß unser Verhältniß, das anfangs bloß durch ein gemeinschaftliches äussres Interesse veranlaßt wurde, und bei näherer Bekanntschaft eine so schöne und edle Wendung nahm, unzerstörbar bestehen wird. Wir kennen einander nun beide gegenseitig, jeder weiß daß es der eine herzlich und schwäbisch-bider mit dem andern meint und unser Vertrauen ist auf eine wechselseitige Hochschätzung gegründet: die höchste Sicherheit, deren ein menschliches Verhältniß bedarf.«
Martin Schalhorn, geboren 1969 in Reutlingen, studierte Germanistik und Geschichte in Bonn und Freiburg, bevor er 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schiller-Nationalausgabe als Bearbeiter des Bandes 41 II (»Lebenszeugnisse«) wurde. Er ist einer der beiden Kuratoren der Ausstellung »Götterpläne & Mäusegeschäfte. Schiller 1759-1805«, die bis 9. Oktober 2005 im Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar zu sehen ist.
SPUREN 69
Martin Schalhorn: »'Dass Sie der Verleger aller meiner künftigen Schriften werden'. Ein Sonntagsausflug von Schiller und Cotta nach Untertürkheim am 4. Mai 1794«. Deutsche Schillergesellschaft Marbach am Neckar, 2005. 16 Seiten, 11 Abbildungen, mit einer Beilage. Geheftet. Umschlag aus Pergamin, € 4,50 (ISBN 3-937384-07-3)
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