Pressemitteilungen
2005
PM 64/2005
Marbacher »Spuren« 71: Wie Christian Buddenbrooks
historisches Vorbild Friedrich Wilhelm Leberecht Mann in Bad Boll, Bad Cannstatt und
Esslingen kurte
Marbach, 02. August 2005 —
Foto: Chris Korner / DLA Marbach
Friedrich Wilhelm Leberecht Mann (1847-1927) aus Lübeck wurde zu einer Figur der Weltliteratur. Zu verdanken hatte er diesen Ruhm seinem Neffen Thomas Mann, der ihm in seinem Roman »Die Buddenbrooks« (1901) mit der Figur des Christian Buddenbrook ein Denkmal setzte. Ihr verlieh er wesentliche Charakterzüge seines Onkels, was dieser mal unwillig, mal bereitwillig zur Kenntnis nahm. Zunächst noch beklagte Friedrich Wilhelm Leberecht Mann in einer Zeitungsanzeige, ihm seien durch die Herausgabe des Buches »viele Unannehmlichkeiten erwachsen«. Später jedoch war er stolz darauf, »als Christian Buddenbrook zu figurieren«.
Die in Marbach ansässige Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg hat dem Verwandten Thomas Manns und seiner Literarisierung in den »Buddenbrooks« jetzt ein Heft ihrer Reihe »Spuren« gewidmet: »'Es ist kein Schmerz, es ist ... eine unbestimmte Qual.' Christian Buddenbrook zur Kur in Bad Boll, Bad Cannstatt und Esslingen« heißt das Heft mit der Nummer 71, das Karsten Blöcker recherchiert und geschrieben hat.
Im Roman spielt Christian Buddenbrook zwar den Familienclown und vordergründigen Spaßmacher, klagt aber immer wieder über Schmerzen und verfällt in Depressionen. Tatsächlich war »der Gedanke, den Rest seines Lebens in einer Anstalt zu verbringen«, für Friedrich Mann eine ständige Sorge, nachdem er jahrzehntelang, seit 1896, wie man bisher annahm, Heilanstalten hatte aufsuchen müssen.
Im neuen »Spuren«-Heft wird nun dargestellt, dass die Leidenszeit Friedrich Manns schon viel früher begonnen hatte. Bereits ab 1875 suchte er, fern seiner Heimatstadt Lübeck, an verschiedenen Orten Heilung, darunter auch in Bad Boll bei Pfarrer Blumhardt, in Stuttgart, in Bad Cannstatt und in Kennenburg bei Esslingen. Das geht aus einer Krankenakte hervor, die hier zum ersten Mal ausgewertet werden kann, und wird belegt durch weitere Spuren, die Friedrich Manns Aufenthalt in Württemberg hinterlassen hat.
Karsten Blöcker, geboren 1935 in Bad Segeberg und in Lübeck aufgewachsen, studierte Rechtswissenschaften in Kiel, in Freiburg und in Berlin, bevor er sich 1965 als Rechtsanwalt und Notar in Lübeck niederließ. Blöcker ist Vorstandsmitglied der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, der Heinrich-Mann-Gesellschaft und Autor verschiedener historisch-biographischer Aufsätze zu Thomas Mann und seinem Umfeld. Auch das »Spuren«-Heft 58 »Tony Buddenbrook in Esslingen am Neckar« (2002) stammt aus seiner Feder.
Karsten Blöcker:
»'Es ist kein Schmerz, es ist ... eine unbestimmte Qual.' Christian Buddenbrook zur Kur in Bad Boll, Bad Cannstatt und Esslingen«. SPUREN 71: 16 Seiten, 14 Abbildungen, eine Beilage. Geheftet. Umschlag aus Pergamin, € 4,50.
ISBN 3-937384-09-X
bestellung@dla-marbach.de
