Pressemitteilungen
2005
PM 63/2005
»Îpe«
kommt aus Brasilien und ist härter als deutsche Eiche: Das
Literaturmuseum der Moderne in Marbach erhält seine Holzverkleidung
Marbach, 04. August 2005 —
Foto: Chris Korner / DLA Marbach
Das junge Holz hat eine grünlich-gelbe Färbung. Erst später, wenn »Îpe« älter und dunkler geworden ist, wird es olivfarben und erhält seinen braunen Ton. Das brasilianische Holz Tajibo-Îpe, kurz »Îpe« genannt, ist jetzt auf der Baustelle des Literaturmuseums der Moderne in Marbach angelangt: Neben Beton, Muschelkalk und Glas ist »Îpe« der vierte Baustoff, der das Aussehen des neuen Gebäudes auf der Schillerhöhe bestimmen wird. Nach Auskunft des Leiters der Direktionsabteilung im Deutschen Literaturarchiv, Dr. Roland Kamzelak, wird Tajibo-Îpe nicht nur für die Außenfassade und für Fensterrahmen, sondern auch für Türen und Möbel und für die Verkleidung der Wände in den Ausstellungsräumen gebraucht.
Insgesamt 105 Kubikmeter des feinporigen Naturmaterials hat der Bauherr, die Deutsche Schillergesellschaft, in Südamerika bestellen lassen. Mehr als die Hälfte dieser Menge, etwa 62 Kubikmeter, ist für die Wände im Gebäudeinneren reserviert: Hier werden die 80 Millimeter breiten und bis zu eineinhalb Meter langen Planken auf vorgehängte Holzwerkstoffplatten verleimt, die als Unterkonstruktion auf die Betonmauern aufgesetzt werden. Würde man die Hölzer aneinander reihen, entstünde eine Strecke von 32 Kilometern. Da nur ein niedriger Wert von 50 Lux in den Ausstellungsräumen zugelassen ist und also wenig Licht, eignet sich »Îpe« für die Verkleidung ausgesprochen gut.
Etwa halb so viel Tajibo-Îpe-Holz, nämlich rund 34 Kubikmeter, wird für die Fassade des Literaturmuseums gebraucht: Etwa dreieinhalb bis fünf Meter lange Hölzer kommen hier zum Einsatz, die unter anderem für Fenster- und Türrahmen verwendet werden. Neun Kubikmeter Holz bleiben dann noch für die Türen des 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfassenden Museums sowie für diverse Ausstellungsmöbel. Auf den Einbau des Holzes folgt im August der Einsatz der Glasfronten, dem letzten der vier Materialien. Ende Oktober soll das Gebäude fertiggestellt sein.
Mit der Wahl des tropischen Holzes zeigt sich nicht nur die Deutsche Schillergesellschaft zufrieden, sondern auch das Bundesumweltamt: Tajibo-Îpe ist mit dem so genannten »FSC«-Siegel (Forest Stewardship Certificate) und also mit dem einzigen Zertifikat ausgezeichnet, das sowohl die Behörde als auch die Umweltorganisation »Greenpeace« anerkennt. Literatur- und Architekturfreunde können die Holzverkleidung des Literaturmuseums der Moderne ab dem 6. November genauer betrachten: An diesem Tag wird das schlüsselfertige Museum vom Londoner Architektenbüro David Chipperfield an den Direktor des Deutschen Literaturarchivs, Professor Dr. Ulrich Raulff, übergeben und bleibt anschließend zwei Wochen lang für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet.
Am Nachmittag des 6. November öffnet außerdem auch das Deutsche Literaturarchiv seine Türen: Gemäß dem Motto der baden-württembergischen Literaturtage »Flieg, Gedanke - Vom Götterboten zur SMS« und in Erinnerung an das eigene 50-jährige Bestehen zeigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs von 13 bis 19 Uhr Sehenswertes rund um den Brief, erläutern die Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs und erzählen von ihrer täglichen Arbeit mit literarischen Zeugnissen.

