Pressemitteilungen
2005
PM 73/2005
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grüne Kästen: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den
Nachlass des Schriftstellers W.G. Sebald (1944-2001) erworben
Marbach, 19. September 2005 —
Foto: Mathias Michaelis/DLA Marbach
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat jetzt den Nachlass des Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Winfried Georg Sebald (1944-2001) erworben. Die Hinterlassenschaft umfasst neben der Arbeitsbibliothek des Schriftstellers 69 Archivkästen, die Korrespondenzen und vor allem Manuskripte seiner literarischen Werke und wissenschaftlichen Veröffentlichungen enthalten.
1944 im Allgäu geboren, lebte Sebald seit 1970 im englischen Norwich, wo er an der University of East Anglia lehrte. Durch seine Erzählbände »Schwindel. Gefühle« (1990) und »Die Ausgewanderten« (1992), den Roman »Austerlitz« (2001) sowie seinen Essayband »Die Ringe des Saturn« (1995) wurde Sebald zunächst in seiner Wahlheimat, in den USA und in Frankreich bekannt, während ihn die deutsche Literaturkritik erst Mitte der Neunziger Jahre entdeckte.
Seitdem erhielt Sebald in der Bundesrepublik zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Heinrich-Böll-Preis (1997), den Mörike-Preis der Stadt Fellbach (1997) und den höchstdotierten deutschen Literaturpreis, den Joseph-Breitbach-Preis (2000). Auch löste seine Züricher Poetik-Vorlesung »Luftkrieg und Literatur« 1998 in Deutschland eine Literaturdebatte aus. Im Dezember 2001 erlitt W.G. Sebald am Steuer seines Autos einen Herzinfarkt und verunglückte tödlich. In Marbach wird sein literarischer Nachlass der Forschung nach seiner archivarischen Bearbeitung zugänglich sein.

