Pressemitteilungen
2005
PM 53/2005
»Lyrik berührt«: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach
macht sich im Sommer neben Friedrich Schiller auch die Poesie zum Thema
Marbach, 28. Juni 2005 —
Foto: Chris Korner / DLA Marbach
Vier Zeilen, drei Hebungen, zwei Silben: An einer Hand lassen sich die Formen der Lyrik abzählen. ›Daktylos‹ – Finger – heißt ein antikes Versmaß aus drei Gliedern. Im Sommer 2005 wird im Deutschen Literaturarchiv Marbach nicht nur, aber doch häufig gezählt: »Lyrik berührt« heißt ein erster Schwerpunkt im literarischen Sommerprogramm; als zweiter Stichwortgeber nimmt »der Dichter der Denker« Friedrich Schiller weiterhin den ihm gebührenden Raum ein.
Orange und Blau sind diesmal die dominierenden Farben des Marbacher Programmplakats: Ein kräftiges Orange zeigt jene Veranstaltungen an, die ab 15. Juli den »Sommer der Lyrik« einläuten. Für drei Wochen reisen rund 20 Nachwuchsforscher aus der ganzen Welt an, um mit zehn Dozenten in der »Sommerschule Literaturwissenschaft« zusammenzuarbeiten. »Lyrik. Von einem Wort zum nächsten« heißt dieser wissenschaftliche Kompaktkurs, dessen Schirmherrschaft die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Dr. Christina Weiss, übernommen hat. Sie fördert die Kooperation des Deutschen Literaturarchivs Marbach mit der Universität Stuttgart, der University Wisconsin-Madison/Minnesota-Twin-Cities und dem DAAD auch materiell.
Am Mittwoch, 20. Juli, 20 Uhr, liest außerdem der Lyriker Oskar Pastior, einer der wichtigsten Poeten der deutschen Gegenwartsliteratur. Eine Woche später, am Mittwoch, 27. Juli, 20 Uhr, trägt Lutz Seiler, Leiter des Literaturprogramms des Peter-Huchel-Hauses in Wilhelmshorst, aus seinen Gedichtbänden vor.
»Zuweilen ein Gedicht lasse ich mir gefallen ...« schrieb auch Friedrich Schiller, um dessen Werk, Einfluss und Wirkung es beim zweiten Schwerpunktthema in sattem Blau geht. Fortgesetzt wird die Vortragsreihe »Schiller, der Dichter der Denker«, in deren Verlauf sich bis Herbst prominente Philosophen und Denker der Gegenwart mit Schiller auseinandersetzen. So spricht am Mittwoch, 28. September, 20 Uhr, der Berliner Philosophieprofessor und Medientheoretiker Friedrich Kittler über Schillers Verhältnis zu Griechenland. Auch die Marbacher »Schiller-Akademie« beschäftigt sich weiter mit den Dramen und der Lyrik des Dichters. Am Donnerstag, 7. Juli, 9.30 Uhr, kommentiert der Lyriker Thomas Rosenlöcher Schillers Gedichte und Balladen für junge Leser, und am Mittwoch, 28. September, 15 Uhr, setzt sich der Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe und bekannte Schillerforscher Norbert Oellers mit dem Drama »Kabale und Liebe« auseinander. Die Vorträge begleiten die Sonderausstellung »Götterpläne & Mäusegeschäfte. Schiller 1759-1805«, die noch bis 9. Oktober in Marbach zu sehen ist.
Auch an Lesungen, Vorträgen und Symposien hat der Marbacher Sommer einiges zu bieten: So wird am 5. Juli, 20 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv der mit 10 000 Euro dotierte Karl-Otten-Preis an die Kulturhistorikerin Dr. Ingrid Belke für ihre Verdienste um die Exilliteratur und Siegfried Kracauer verliehen. Einen Tag später, am 6. Juli, lädt das Literaturarchiv in Zusammenarbeit mit dem baden-württembergischen Kultusministerium zu einem Lesesymposion ein, bei dem unter anderem die Heidelberger Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann über ihr Konzept des kulturellen Gedächtnisses spricht (Anmeldung erforderlich). Am Sonntag, 28. August, 20 Uhr, endet die Marbacher Sommerpause, wenn die Leiterin der Museumsabteilung, Dr. Heike Gfrereis, die dritte Marbacher »Zeitkapsel« öffnet: Auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Tod des Kinderbuchautors Michael Ende wird Endes Nachlass erstmals öffentlich betrachtet.
Zwei Wochen später, am 14. September, 20 Uhr, nimmt der Leiter der Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik, Professor Dr. Christoph König, mit einem Vortrag über die »Idiomatik im Briefwechsel zwischen Paul Celan und Peter Szondi« von Marbach Abschied: König wird ab dem Wintersemester an der Universität Osnabrück lehren. Eine Lesung mit dem deutsch-französischen Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt beschließt am Dienstag, 20. September, 20 Uhr, das Sommerprogramm: Goldschmidt trägt an diesem Abend aus seiner Autobiographie »Über die Flüsse« (2003) vor, die von seiner Hamburger Kindheit und seiner Flucht aus Deutschland 1938 erzählt.
Formal weist das dritte Programmplakat aus Marbach eine Neuerung auf: Auf der Rückseite sind von nun an alle Termine auch in chronologischer Reihenfolge abgedruckt, so dass die rasche Orientierung nicht nur nach Themen, sondern auch nach Daten möglich ist. Ebenso sind die Führungen durch das Schiller-Nationalmuseum aufgeführt.
Literaturfreunde zahlen für alle Veranstaltungen an der Abendkasse 5,- Euro, Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft haben, ebenso wie Schüler, Studenten und Rentner, ermäßigten Eintritt (3 Euro). Karten können unter Telefon 07144-848-0 vorbestellt werden, ebenso wie Formulare für die Mitgliedschaft in der Deutschen Schillergesellschaft. Führungen können im Museum unter der Nummer 07144-848-601 gebucht werden.

