Pressemitteilungen

2005

PM 59/2005

»O du roher iasmin«: Am Mittwoch liest der Lyriker

Oskar Pastior im Deutschen Literaturarchiv Marbach aus seinem Werk

Marbach, 15. Juli 2005 —

Sie seien »glühende, pastorale Halden«, sagte der jüngst verstorbene Lyriker Thomas Kling einmal bewundernd über die Gedichte seines älteren Kollegen Oskar Pastior. 1927 in Hermannstadt geboren und 1969 nach Westberlin geflohen, gehört Pastior heute zu den wichtigsten Lyrikern der Gegenwart. Am Mittwoch, 20. Juli, 20 Uhr, liest er im Deutschen Literaturarchiv Marbach aus seinem Lebenswerk und seinen Übersetzungen. Der Eintritt in die Veranstaltung kostet 5,- Euro (ermäßigt: 3,- Euro).

In seiner Lyrik hat Pastior die Sprache radikal von ihrer pragmatischen Funktion befreit, festgelegte Bedeutungen zu transportieren. Jenseits des herkömmlichen Verstehens entfaltet er ein virtuoses Spiel mit den Formen der Lyrik und den Klangmöglichkeiten, die einzelne Silben innerhalb eines Wortes entfalten: »Kannitverstand / santavinktern / nervanstinkat / transnektivan ...« Der Text, von vordergründigen Botschaften befreit, lädt zum Sprechen und Staunen darüber ein, was Sprache leisten kann, wenn sie nicht semantisch, sondern lautmalerisch begriffen wird. Pastiors erster Gedichtband in deutscher Sprache, 1964 erschienen, trug den Titel »Offene Worte«. Über seine Zweisprachigkeit hat der Dichter einmal geschrieben: »Wenn etwa 'Kindheit', 'Muttersprache', 'Siebenbürgen' in diesen Worten gedacht werden, das 'Vaterland' aber wie eine Übersetzung von 'patria' klingt, so ist die Staatssprache Rumänisch zwar eine Fremdsprache gewesen, aber doch ein nicht wegzudenkendes Randfeld der eigenen.«

Im Marbach liest Oskar Pastior im Rahmen der zweiten Sommerschule, bei der vom 15. Juli bis zum 3. August rund 20 Nachwuchsforscher aus aller Welt zum Thema Lyrik arbeiten. Die Sommerschule ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Literaturarchivs mit der Universität Stuttgart, der University Wisconsin-Madison (USA) und dem DAAD.