Pressemitteilungen
2005
PM 90/2005
Neues vom Unternehmer Cotta: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach erhält Dokumente über die landwirtschaftliche Tätigkeit des Verlegers
Marbach, 31. Oktober 2005 —
Johann Friedrich Cotta (1764-1832), weltweit als der Verleger der deutschen Klassiker bekannt, war auch ein erfolgreicher Landwirtschaftsreformer. Das zeigt ein mehrere tausend Dokumente umfassendes Schriftkonvolut, das jetzt dem Deutschen Literaturarchiv Marbach als Depositum übergeben worden ist. Die Korrespondenzen, Urkunden, Verträge, Akten und Rechnungsbücher stammen vom Hipfelhof bei Heilbronn, wo sie bis vor kurzem auf dem Speicher gelegen hatten. Cotta hatte das Gut 1812 vom bayerischen Staatsminister Montgelas mit den Überschüssen aus seinem Verlag gekauft und fortan mit seiner Familie bewirtschaftet. Die großteils aus dem 19. Jahrhundert datierenden Schriftstücke dokumentieren Cottas Interesse an der modernen Landwirtschaft und werfen ein weiteres Schlaglicht auf den genialen Kaufmann, Politiker und Industriepionier.
Auch wenn die Tätigkeiten des Verlegers und des Landwirtes auf den ersten Blick unvereinbar scheinen bei Cotta ergänzten sie sich aufs Trefflichste. Das Archiv des Hipfelhofs dokumentiert das Wirken Johann Friedrich Cottas und seines Sohnes Georg als Reformlandwirte auf ebenso eindrückliche Weise wie die enge Verzahnung der Geschäftsbereiche. An der Seite der Königin Katharina von Württemberg setzte er sich für eine tiefgreifende Reform der Landwirtschaft im Sinne des rationellen Landbaus und für die »Befreiung des Landes« ein. Er verlegte das »Correspondenzblatt des Landwirtschaftsvereins in Baden-Württemberg« und Bücher über die Schafzucht. Seine Güter waren agronomische Musteranstalten und Ausgangspunkte für die industrielle Entwicklung des Landes: So versorgte Cotta mit der auf dem Hipfelhof produzierten Wolle seine Ludwigsburger Tuchfabrik; in Heilbronn gründete er eine maschinelle Flachsspinnerei.
Schon 1952 hatte Marbach das Verlagsarchiv der Cotta'schen Verlagsbuchhandlung als Depositum von der Stuttgarter Zeitung erhalten, was auch zur Gründung des Deutschen Literaturarchivs 1955 beigetragen hatte. Heute ist das Cotta-Archiv eine Stiftung der Stuttgarter Zeitung. Die Dokumente des Hipfelhofs bleiben vorerst ebenfalls als Depositum im Deutschen Literaturarchiv; Eigentumer ist die Familie des Freiherrn von Houwald. Das Deutsche Literaturarchiv sorgt für die Reinigung und Groberschließung des Hipfelhof-Archivs; dann stehen die Dokumente der Forschung zur Verfügung.


