Pressemitteilungen
2005
PM 95/2005
»Schiller: Vorbild oder Provokation?« Fünf Autoren denken bei einer Tagung am 19. November in Marbach über Schillers Bedeutung heute nach
Marbach, 10. November 2005 —
Kein deutscher Klassiker ist so umstritten wie Friedrich Schiller. Als Inbegriff des Nationaldichters wird er seit zwei Jahrhunderten ebenso gefeiert wie verachtet. In vielerlei Hinsicht ist er tatsächlich ein National-Autor geblieben: der Dichter einer Nation, die ihn in ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder zur weltlichen Heiligenfigur erhoben hat. Der Frage nach dem »Fall Schiller« geht die Autorentagung »Schiller – Vorbild oder Provokation?« am Samstag, 19. November, 14 bis 22 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv Marbach nach. Das Archiv bittet die fünf renommierten Schriftsteller Marlene Streeruwitz, Sibylle Lewitscharoff, Ludwig Harig, Georg Klein und Robert Gernhardt, ihr Verhältnis zu Schiller zu klären und über seine Bedeutung für ihr eigenes Schaffen nachzudenken. Sein karges Leben, seine auf dem Theater inszenierte Größensehnsucht, das Pathos seiner Ästhetik, die Radikalität seines aufklärerischen Denkens sollen neu kommentiert werden.
Den Anfang macht um 14.15 Uhr die gebürtige Stuttgarterin Sibylle Lewitscharoff mit ihren »Notizen zu einer Wunschaufführung des Don Carlos«. Lewitscharoff erhielt 1998 für ihren Prosa-Text »Pong« den Ingeborg Bachmann-Preis und legte 2003 den viel beachteten Roman »Montgomery« vor. Auf sie folgt um 15 Uhr Georg Klein mit seinem Vortrag »Wie ich ein Held wurde«. 1953 in Augsburg geboren, gehört Klein heute zu den renommiertesten Schriftstellern seiner Generation. 1999 wurde ihm der Brüder-Grimm-Preis verliehen, im Jahr 2000 der Ingeborg-Bachmann-Preis.
Über Schillers Spielgedanken macht sich ab 17 Uhr Ludwig Harig seine eigenen Gedanken: »Entkörpert steh’ ich da« heißt sein Versuch, in dem er auf die ästhetische Positionen des Klassikers eingeht. Harig wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und 1994 mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Zuletzt veröffentlichte er sein Memoiren-Werk »Und wenn sie nicht gestorben sind« (2002) und den achten Band seiner Werkausgabe unter dem Titel »Wer schreibt, der bleibt. Essays und Reden«. Die österreichische Prosaautorin und Dramatikerin Marlene Streeruwitz widmet sich ab 17.45 Uhr Schillers Drama »Kabale und Liebe«. Streeruwitz gehört zu den viel und kontrovers diskutierten Dramatikerinnen der Gegenwart. Ihre Stücke wurden an den wichtigsten deutschsprachigen Bühnen aufgeführt.
Um 20 Uhr schließlich meldet sich in Marbach Robert Gernhardt zu Wort: »Freispruch für Schiller? Eine Pflichtverteidigung« heißt sein Beitrag. Gernhardt gehört zu den bekanntesten deutschen Lyrikern der Gegenwart, wurde 1937 in Reval geboren, zählte zu den Mitbegründern der »Neuen Frankfurter Schule« und lebt heute als Schriftsteller, Maler, Zeichner und Karikaturist in Frankfurt am Main. Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2004 mit dem Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Zuletzt veröffentlichte er die Gedichtbände »Im Glück und anderswo« (2002) und »Die K-Gedichte« (2004).
