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2005
PM 103/2005
Manuskripte und noch viel mehr: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass von Peter Hacks erworben
Marbach, 07. Dezember 2005 —
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass des Schriftstellers Peter Hacks (1928-2003) erworben. Er ist einer der wichtigsten Nachlässe der DDR-Literatur und umfasst rund 110 Archivkästen mit Manuskripten, Briefen und Materialien aus knapp 50 Jahren. Darin enthalten sind unter anderem Briefe von und an Schriftsteller wie Bertold Brecht, Hans Magnus Enzensberger und Christoph Hein oder Personen des politischen Lebens der DDR, etwa Willi Stoph, Hans Modrow und Lothar Bisky. Hacks' regelmäßiger Austausch mit literarischen Institutionen, Akademien, Verlagen, Theatern, Feuilletonredaktionen sowie Rundfunk- und Fernsehanstalten macht den Nachlass zu einer wertvollen Quelle für das literarische Leben der DDR.
Der in Breslau geborene Schriftsteller gehört zu den produktivsten und meistgespielten Dramatikern der DDR. Nach Bertolt Brechts Tod galt er lange Zeit als der bedeutendste deutsche Bühnenautor der zweiten Jahrhunderthälfte; »Die Schlacht bei Lobositz« (1956), »Der Müller von Sanssouci« (1958), »Die Sorgen und die Macht« (1960), »Amphitryon« (1969) und »Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe« (1976) gehören zu seinen bekanntesten und meistaufgeführten Stücken. Auch als Essayist, ästhetischer Theoretiker und Kinderbuchautor machte sich Hacks einen Namen: 1971 wurde er mit dem Kritikerpreis der Bundesrepublik Deutschland, 1974 und 1977 mit dem Nationalpreis für Kunst und Literatur der DDR ausgezeichnet; 1998 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Hacks studierte Soziologie, Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaften in München, bevor er 1955 nach Ost-Berlin übersiedelte und Mitglied im Ensemble Bertolt Brechts wurde. Nachdem sein Stück »Die Sorgen und die Macht« 1960 bei den DDR-Machthabern Anstoß erregt hatte, musste er seinen Stuhl als Chefdramaturg am Deutschen Theater räumen. In den 70er Jahren avancierte Hacks auch in der Bundesrepublik zu einem der meistgespielten zeitgenössischen Theaterautoren, bis er 1976 öffentlich für die Ausbürgerung Wolf Biermanns eintrat und dafür von Regisseuren und Intendanten mit einem Boykott belegt wurde.
In Marbach ergänzt Hacks' Nachlass jene Schriftstellerarchive von DDR-Autoren, die seit 1990 einen Sammlungsschwerpunkt bilden. Dazu gehören unter anderem Johannes Bobrowski, Stephan Hermlin und Günther de Bruyn, aber auch Günter Kunert, Joachim Schädlich und Sarah Kirsch. Die jetzige Erwerbung wurde von der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt. Nach seiner archivarischen Bearbeitung wird der Hacks'sche Nachlass der Forschung zugänglich sein.

