Pressemitteilungen
2005
PM 31/2005
»Götterpläne
& Mäusegeschäfte«: Marbach zeigt ab 23. April eine
große Sonderausstellung über Schillers Leben und Werk
Marbach, 22. April 2005 —
»Ich stürze aus meinen idealischen Welten, sobald mich ein zerrissner Strumpf an die wirkliche mahnt«, schreibt Friedrich Schiller einmal über den Zusammenhang zwischen Dichten und Leben. Am 9. Mai 2005 jährt sich der Todestag des Dichters zum 200. Mal. Mit der großen Sonderausstellung »Götterpläne & Mäusegeschäfte. Schiller 1759-1805« erinnern das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar an den 1759 hier geborenen und 1805 in Weimar gestorbenen Dichter. Die von den Kuratoren Dr. Frank Druffner und Martin Schalhorn erarbeitete Ausstellung wird in Marbach vom 23. April bis 9. Oktober 2005 und vom 30. Oktober 2005 bis 17. April 2006 im Weimarer Schiller-Museum zu sehen sein. Die Ausstellung wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.
Ihrem Gegenstand, der Person Friedrich Schillers, nähert sich die ausstellung aus einer thematischen Perspektive: Schiller, so der Ansatz der Kuratoren, gehörte zu den ersten Schriftstellern, die überwiegend von den Einkünften seiner Werke zu leben versuchten. Daraus resultiert ein Leben zwischen »Götterplänen & Mäusegeschäften«, ein Zitat aus Schillers »Räubern«, das die Ausstellung in ihrem Titel aufgreift. Denn Schiller widmet sich seinen großen künstlerischen Ideen und Dramenstoffen ebenso wie den täglichen »Mäusegeschäften«, die ihm als Ernährer und Familienvater im Kampf ums Überleben obliegen. In seinen Briefen begegnet man Schiller als einem Meister des Kommunizierens, der Freundschaften entwirft, in seinen Rechnungsnotizen als einem Meister des Kalkulierens, der seine Einkünfte und Ausgaben genau festhält. In seinen literarischen Entwürfen tritt der Dichter dem Leser als souveräner Anwalt der eigenen Sache entgegen, und immer wieder überrascht er durch seine Sprachgewalt.
Rund 230 Exponate in acht Räumen machen Schillers Leben und Wirken für den Besucher in Marbach plastisch. Erstmals wird die gesamte Fläche des Schiller-Nationalmuseums bespielt: Gezeigt werden Handschriften und Manuskripte, frühe Druckerzeugnisse und Widmungsexemplare, Gemälde und Skulpturen, aber auch Alltagsgegenstände und Kleidungsstücke aus Schillers Besitz. Für die Ausstellung greifen die Kuratoren neben Exponaten aus den eigenen Sammlungen auch auf Leihgaben aus dem In- und Ausland, besonders aus dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, zurück. Ebenso dient der Schillersaal in der Mitte der Beletage des Museums mit seinen elf Reliefs als Exponat: In dem mit Sitzgelegenheiten ausgestatteten, sonst freien Raum können die Besucher jene Szenen aus Schillers Gedichten betrachten, die vor über 100 Jahren beim Bau des Museums auf der Marbacher Schillerhöhe von Robert von Haug entworfen worden sind.
Mit Titeln wie »Schiller stirbt«, »Schiller wird geehrt«, »Schiller schreibt«, »Schiller in Gesellschaft«, »Schillers Freunde«, »Schiller rechnet«, »Schiller auf Reisen« und »Schiller wird verehrt« greifen auch die restlichen acht Räume Facetten des Dichterlebens auf. Zitate aus Briefen und aus Nachrufen, in grauer Schrift an den Wänden großzügig angebracht, führen Gedanken und Konflikte Schillers vor Augen und laden zur Reflexion der inneren und äußeren Welt des Schriftstellers ein. In den Vitrinen sorgen kleine Sockel, auf denen die Originale liegen, für den Eindruck, als schwebten die gezeigten Briefe, Zeichnungen und Rechnungen. Sie verleihen den Ausstellungsstücken einen Anschein von Dreidimensionalität und stellen das Exponat nicht nur historisch, sondern auch ästhetisch in den Mittelpunkt. Auf diese Weise entsteht das Bild eines Dichters und Menschen, der Gegensätze in sich vereint und zugleich vieles ist: Schriftsteller und Herausgeber verschiedener Zeitschriftenprojekte, kühler Rechner und leidenschaftlicher Freund, aufstrebender Theaterdichter, Hochschullehrer und von der Nachwelt verehrter Dichter. Verantwortlich für die Gestaltung zeichnet das Stuttgarter Grafikbüro Schmid und Keppler, das auch die Ausstattung des ausstellungsbegleitenden Kataloges übernommen hat.
Nach der Schließung der Ausstellung »Götterpläne & Mäusegeschäfte« am 9. Oktober 2005 in Marbach zeigt das Schiller-Nationalmuseum vom 12. November 2005 an bis zum 5. Februar 2006 die von der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen konzipierte Ausstellung »Die Wahrheit hält Gericht - Schillers Helden heute«. Diese ist zuvor vom 9. Mai bis zum 10. Oktober 2005 im Schiller-Museum in Weimar zu sehen.
Weitere Informationen zur Ausstellung unter schiller-weimar-marbach.de und schillerjahr2005.de
Zur Ausstellung erscheint der Marbacher Katalog 58:</font> Götterpläne & Mäusegeschäfte. Schiller 1759–1804.
Von Frank Druffner und Martin Schalhorn. 2005. Ca. 300 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen.
Broschiert. € 20. ISBN 3-937384-11-1
Bestellung@dla-marbach.de

