Pressemitteilungen

2006

PM 15/2006

Fünfte Zeitkapsel im Deutschen Literaturarchiv Marbach:

Ulrich von Bülow stellt Rainer Maria Rilkes Duineser Briefmappe vor

Marbach, 10. März 2006 —

»Time capsules« – Zeitkapseln – nannte Andy Warhol seine Pappschachteln, in denen er Dinge für die Nachwelt sammelte und verschloss. Seit einem Jahr zeigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach in der Veranstaltungsreihe »Zeitkapsel« verborgene Schätze aus Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen. Am Mittwoch, 15. März, 20 Uhr, gibt der stellvertretende Leiter der Handschriftenabteilung des Deutschen Literaturarchivs, Ulrich von Bülow, Einblick in die erst vor kurzem erworbene Duineser Briefmappe des Dichters.

Rilke verbrachte den Winter 1911/12 auf Schloss Duino bei Triest, hoch über der Adria. Hier schrieb er im Januar 1912 die ersten Elegien, die er später die »Dui-neser« nannte. Zu dieser Zeit erreichten ihn zahlreiche Briefe, von denen er einen Teil bei seiner Abreise in Duino zurückließ. Sie eröffnen überraschende Einblicke in Rilkes Lebenssituation und den krisenhaften Alltag jenes Winters: Anwälte nehmen Stellung zur Scheidung seiner zerrütteten Ehe, Verleger fordern neue Texte, Pariser Hausverwalter stellen Rechnungen, Verehrerinnen schildern Lektüreeindrücke, alte Freunde melden sich mit langen Briefen: Annette Kolb, Rudolf Kassner, Auguste Rodin, Ellen Key, Regina Ullmann.

Aus den 40 Briefen hat Bülow 20 Schreiben ausgewählt, deren Inhalte und Bedeutung er unter verschiedenen Fragestellungen betrachtet: In welchem Zusammenhang stehen eine Gedichtzeile und ein Geschäftsbrief? Welche Spuren der physischen und psychischen Obdachlosigkeit, der sich der Dichter zu jener Zeit ausgesetzt sah, lassen sich in den Briefen finden, inwiefern korrespondieren sie mit seinem Werk? Und: Wie kommt die Duineser Briefmappe über-haupt ins Literaturarchiv?

Der Eintritt in die fünfte »Zeitkapsel« kostet 5,- (erm. 3,-) Euro.

Briefe an Rilke: Die Duineser Briefmappe. Foto: Chris Korner/DLA Marbach