Pressemitteilungen
2006
PM 21/2006
Programmfrühling in Marbach: »Arno Schmidt? - Allerdings!« im Schiller-Nationalmuseum und die erste Dauerausstellung« im neuen Literaturmuseum
Marbach, 28. März 2006 —
Zwei Ausstellungen bestimmen in den kommenden drei Monaten das Programm im Deutschen Literaturarchiv Marbach: Von Donnerstag, 30. März, bis Sonntag, 27. August, ist im Schiller-Nationalmuseum die große, von der Arno Schmidt Stiftung kuratierte Sonderausstellung »Arno Schmidt? – Allerdings!« zu sehen. Knapp zwei Monate später, am 6. Juni, öffnet das neue Literaturmuseum der Moderne (LiMo) und zeigt seine erste Dauerausstellung«. Begleitet werden beide Ausstellungen von einem Sommerfest, von Vorträgen und Gesprächen, Lesungen und einer »Zeitkapsel«. Das Museum bietet ein vielfältiges Programm der Literaturvermittlung, das nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche in Schreibwerkstätten einlädt.
Im Schiller-Nationalmuseum: »Arno Schmidt? – Allerdings!«
»Mein Leben?!: ist kein Kontinuum!« hat Arno Schmidt (1914-1979) einmal geschrieben. Seit 1981 verwaltet die Arno Schmidt Stiftung das Erbe des Autors in Bargfeld und gibt dort auch das Gesamtwerk des Autors heraus. Für die große Sonderausstellung »Arno Schmidt? – Allerdings!« im Schiller-Nationalmuseum wurden die Vorstände, Editoren und Buchgestalter der Stiftung zu Kuratoren: In insgesamt zehn Räumen nähern sie sich Arno Schmidts Leben und Werk aus unterschiedlichen Perspektiven. Drei Räume sind der Biografie des Autors gewidmet, zwei erzählen von seiner Begeisterung für Landschaften und seiner Tätigkeit als Fotograf und Kartograf. Ein Leseraum bringt Schmidts schriftstellerische Vorbilder nahe, eine Abteilung setzt sich mit dem Schreiben des Autors und seiner »Etymtheorie« auseinander. Die poetologische Auseinandersetzung mit der Sexualität, mit dem Ich als eine in der Moderne problematisch gewordenen Größe sowie mit der Politik der jungen Bundesrepublik in Schmidts Werken stellen die Kuratoren in je einem Raum dar. Für die materialreiche Ausstellung nutzt die Arno Schmidt Stiftung rund 500 Exponate aus dem Nachlass des Schriftstellers, darunter Schmidts berühmte Zettelkästen; hinzu kommen Ton- und Videoinstallationen. Im Schiller-Saal des Nationalmuseums wurde für die Ausstellung eigens ein zweites Stockwerk eingebaut. »Arno Schmidt? – Allerdings!« ist bis zum 27. August und ausschließlich in Marbach zu sehen.
»Schmidt am Abend«: Lesungen und Vorträge im Deutschen Literaturarchiv
Einen Tag nach der offiziellen Ausstellungseröffnung mit Jan Philipp Reemtsma lesen Bernd Rauschenbach und Reemtsma am 31. März, 20 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv aus Schmidts Werk »Kühe in Halbtrauer«. Im April und Mai folgen mit »Schmidt am Freitag« drei weitere lange Abende rund um das Werk des Schriftstellers: Am 21. April, 18.30 Uhr, spricht der Marburger Literaturwissenschaftler Thomas Anz über die Beziehungen zwischen Psychoanalyse und Literatur in der literarischen Moderne, um 20.15 Uhr folgt ein Vortrag von Jan Philipp Reemtsma über »Sigmund Freuds Spuren in Arno Schmidts Werk«. Beim zweiten langen Abend am 12. Mai steht Schmidts Spracharbeit im Vordergrund: Um 18.30 Uhr stellt der stellvertretende Leiter der Marbacher Bibliothek, Christoph Penshorn, zusammen mit Martin Hielscher, Lektor beim C.H. Beck Verlag, den Nachlass von Arno Schmidts Lektor Ernst Krawehl vor, der in Marbach aufbewahrt wird. Um 20.15 Uhr sprechen die Autoren Reinhard Jirgl und Georg Klein über Schmidts Bedeutung für Gegenwartsschriftsteller und ihren eigenen Werdegang, und am 7. Mai um 20 Uhr beleuchtet der Schriftsteller Patrick Roth Schmidts Leistungen als Übersetzer von Poes Erzählungen. In Marbach liest er Poe, den »Meister der dunklen Romantik« – auf Deutsch und im Original.
Auch beim »Internationalen Museumstag« am Sonntag, 21. Mai, ab 14 Uhr, steht Arno Schmidt im Mittelpunkt: Junge und jung gebliebene Besucher werden zu besonderen Führungen und einem Schreiblabor ins Schiller-Nationalmuseum eingeladen. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt an diesem Tag kostenlos.
Weitere Informationen zur Ausstellung und den Veranstaltungen, zu Kombitickets und zur Literaturvermittlung für Kinder unter www.arno-schmidt-allerdings.de.
Im Deutschen Literaturarchiv: Drei Kafka-Biografen zu Gast
Mehr als 80 Jahre nach seinem Tod ist Franz Kafka zu einem literarischen Mythos geworden. Am Freitag, 5. Mai, 20 Uhr, treffen in Marbach drei Generationen von Kafka-Biografen aufeinander: Klaus Wagenbach schrieb sein Standard-werk über den jungen Kafka 1958, Rainer Stach publizierte vor drei Jahren den ersten Band seiner Kafka-Biografie; Peter-André Alt veröffentlichte seine Sicht auf den Prager im Jahr 2005. Die Auseinandersetzung mit Kafka und die Herangehensweise des Biografen an den Autor stehen an diesem Abend im Mittelpunkt.
Der Eintritt beträgt 5,- Euro (erm. 3,- ); Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft haben ermäßigten Eintritt.
Im Literaturmuseum der Moderne: Die Dauerausstellung öffnet
Am 6. Juni eröffnet Bundespräsident Horst Köhler das Literaturmuseum der Mo-derne vor geladenen Gästen. Die erste Dauerausstellung« erstreckt sich auf insgesamt drei Räume: »nexus« zeigt die Vielfalt an Handschriften, Büchern, Fotografien und Erinnerungsstücken aus den Nachlässen berühmter und vergessener Dichter des 20. und 21. Jahrhunderts, die im Deutschen Literaturarchiv aufbewahrt werden, »stilus« lädt als inszenierter Leseraum zur Lektüre ein und »fluxus« stellt die Gegenwartsliteratur zur Diskussion: Prominente Kuratoren erhalten hier regelmäßig die Gelegenheit, »ihre« Gegenwartsliteratur auszustellen. Am 6. Juni findet im Anschluss an den Festakt um 20 Uhr ein Sommerfest auf den Terrassen des Museums statt. Vom 7. bis zum 9. Juni ist die Besichtigung der Ausstellung mit Führung möglich (Anmeldungen nimmt das Museumssekretariat entgegen), und am Freitag, 9. Juni, 19 Uhr, stellt der Verleger Klaus Wagenbach als erster prominenter Kurator von »fluxus« seine »persönlichen Musengeschenke« vor. Neun Bücher hat Wagenbach ausgewählt, die jeweils von einer anderen Muse inspiriert wurden: Erato, Euterpe, Kalliope, Klio, Melpomene, Polyhymnia, Terpsichore, Thalia und Urania.
Langer freier LiMo-Tag am 11. Juni mit Film und Diskussion
Von Samstag, 10. Juni, an öffnet das Museum zu den regulären Zeiten. Am 10. und 11. Juni werden von 12 bis 16 Uhr kostenlose Führungen zu jeder vollen Stunde angeboten. Am Sonntag, 11. Juni, dem »langen freien LiMo-Tag«, ist außerdem schon um 11 Uhr die 40-minütige Langfassung des Einführungsfilms ins Literaturmuseum der Moderne zu sehen, während um 17 Uhr der Ägyptologe Jan Assmann, der Mediävist Valentin Groebner und der Medienwissenschaftler Jochen Hörisch über »Himmel und Hölle« im Archiv diskutieren und über die Lust, das zu entdecken, was sich in geistigen Hinterlassenschaften finden lässt.
Mit zwei Exponaten aus der Dauerausstellung setzen sich in der darauffolgenden Woche zwei Schriftsteller auseinander: Am Mittwoch, 21. Juni , 20 Uhr, betrachtet Durs Grünbein das berühmte Gedicht »Das Karussell« von Rainer Maria Rilke, und am Freitag, 30. Juni, 20 Uhr, stellt Christoph Hein einen Brief von Uwe Johnson vor. An diesem Tag ist das Literaturmuseum der Moderne außerdem Schauplatz der bundesweiten Aktion »Land der Ideen«: Um 14, 15.30 und 17 Uhr finden daher vier besondere Führungen »live« statt, die sonst der multimediale Museumsführer »M 3« anbietet: für Kinder, Schaulustige, Eilige und Leser.
Alle Veranstaltungen rund um die Eröffnung des LiMo (6., 9. und 11. Juni) sind kostenlos. Die Führungen zwischen dem 7. und dem 9. Euro kosten 3,- Euro (Mailto: museum(at)dla-marbach.de oder Telefon: 07144-848-616).
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