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2006
PM 68/2006
»In der Geisterfalle«: Der Marbacher Programmherbst bringt eine große Sonderausstellung mit Dichterfotografien aus drei Jahrhunderten
Marbach, 23. September 2006 —
Woran liegt es, dass der Leser am Foto des Autors kaum vorbeikommt? Warum will er sich ein Bild vom Schriftsteller machen? Den Ursprüngen und Erscheinungen des Dichterkults, der Sehnsucht nach dem »ewigen Antlitz« der Dichter oder dem bedeutenden Haupt der Denker spürt in Marbach am Neckar die Sonderausstellung »In der Geisterfalle. Ein deutsches Pantheon: Fotos aus dem Archiv aus drei Jahrhunderten« nach. Sie zeigt vom 11. November an mehr als 500 Dichterfotografien auf der gesamten Beletage des Schiller-Nationalmuseums. Die Fotografien, die aus über 150 000 Abbildungen der Kunstsammlungen des Deutschen Literaturarchivs ausgewählt wurden, sind in 14 Kapiteln arrangiert und zeigen, was vom Genius eines Menschen sichtbar werden kann. Nach der Ausstellungseröffnung am Samstag, 11. November (16.30 Uhr), wird der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann die Schillerrede 2006 in Marbach (20 Uhr) halten. In seinem Vortrag »Über das Erhabene. Schiller im Lichte von Mozart und Kant« verbindet Assmann das ausklingende Mozartjahr mit Gedanken über Schillers Ästhetik.
fluxus heißt der Raum im Literaturmuseum der Moderne, in dem prominente Kuratoren regelmäßig die Gelegenheit erhalten, ihre persönliche Literatur der Gegenwart auszustellen. Nach dem Verleger Klaus Wagenbach kuratiert Sigrid Löffler, Gründungsmitglied des »Literarischen Quartetts« und Chefredakteurin der Zeitschrift »Literaturen«, den Raum und erinnert an zehn unverzichtbare literarische Begleiter und erweitert den Dekalog um ein elftes Gebot: Du sollst weiterlesen! Die kleine Ausstellung wird am Donnerstag, 12. Oktober, 19 Uhr, mit Sigrid Löffler eröffnet.
Weiterhin zeigt das Literaturmuseum der Moderne (LiMo) außerdem die Wechselausstellung »Cottas Tischbein«; sie gibt Einblick in ein einmaliges Konvolut von Skizzen, farbigen Zeichnungen und illuminierten Kupferstichen, die der Klassiker-Verleger Cotta 1819 erwarb. Die Ausstellung endet am Sonntag, 22. Oktober, 11 Uhr, nach einem Gespräch des Archäologen und designierten Rektors des Berliner Wissenschaftskollegs Luca Giuliani mit dem Berliner Literaturwissenschaftler Ernst Osterkamp über ein außergewöhnliches Projekt: das nach Illustrationen von Tischbein entstandene Mappenwerk »Homer nach Antiken gezeichnet«. Noch bis zum 26. November ist im LiMo außerdem die kleine Wechselausstellung »Karl Jaspers. Das Buch Hannah« zu sehen, das die Beschäftigung des Philosophen mit seiner Schülerin Hannah Arendt in den Mittelpunkt stellt. Die kleine Ausstellung erinnert zugleich an den 100. Geburtstag von Hannah Arendt am 14. Oktober.
»Deixis. Vom Denken mit dem Zeigefinger« heißt eine wissenschaftliche Tagung (24. bis 26. November), die das Jahresthema 2006 des Deutschen Literaturarchivs fokussiert: Drei Tage lang diskutieren Literaturwissenschaftler, Kulturtheoretiker, Musiker, Künstler und Philosophen die Frage, was den Akt des Zeigens ausmacht. Am Samstag, 25. November, 20 Uhr, demonstriert der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann am Klavier deiktische Strukturen im Werk von Robert Schumann. Anmeldungen unter: birgit.wollgarten(at)dla-marbach.de.
Neben Tagungen und Ausstellungen bietet der Marbacher Programmherbst auch zahlreiche Vorträge, Werkstattgespräche, eine »Geisterstunde«, eine »Zeitkapsel« und eine Buchvorstellung: Am Mittwoch, 4. Oktober, 20.30 Uhr, spricht der ehemalige Direktor des Deutschen Literaturarchivs, Ulrich Ott, über »Schiller und der Pietismus«. Am Mittwoch, 18. Oktober, 20 Uhr, erinnern Katharina Born und Hermann Peter Piwitt an den Lyriker Nicolas Born, und am Donnerstag, 19. Oktober, 20 Uhr, stellt Thomas Meyer seine Ernst-Cassirer-Biografie vor. Am Dienstag, 31. Oktober, lädt das Deutsche Literaturarchiv zu einem Halloween-Abend ein: Im LiMo wird ab 19 Uhr 30 die »Große Geisterstunde« für Kinder ab 8 Jahren gefeiert, und im Literaturarchiv beginnt um 20 Uhr ein Konzert der Internationalen Hugo Wolf-Akademie. Am Freitag, 17. November, 20 Uhr, spüren Angelika Overath, Anna Katharina Hahn und Uljana Wolf dem Verhältnis zwischen Literatur und Topografie nach. Zum Jahresabschluss, am Mittwoch, 13. Dezember, 20 Uhr, öffnen Sonja Schön und Ulrich Raulff die achte Zeitkapsel im Archiv: »Das Musel und der Meister. Friedrich Gundolf und Elisabeth Salomon in ihrem Briefwechsel«
Alle Veranstaltungen kosten an der Abendkasse 5,- Euro, Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft haben, ebenso wie Schüler, Studenten und Rentner, ermäßigten Eintritt (3,- Euro). Formulare für eine Mitgliedschaft in der Deutschen Schillergesellschaft sind unter Telefon 07144-848-0 zu haben, Führungen in den Museen können unter der Nummer 07144-848-601 gebucht werden.
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