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2006
PM 45/2006
Programmsommer in Marbach: Mit Ausstellungen zu Benn und Tischbein wird das neue Literaturmuseum der Moderne in Marbach erstmals gefüllt
Marbach, 29. Juni 2006 —
Erstmals füllen sich die Wechselausstellungsräume des Literaturmuseums der Moderne in Marbach am Neckar. Mit der Ausstellung »Benns Doppelleben oder wie man sich selbst zusammensetzt« beginnt am 7. Juli im kleinsten Raum des LiMo eine Reihe konzentrierter Leseausstellungen, in deren Mittelpunkt die Genese eines Textes, einer Sprech- , Bildformel oder einer Idee steht (bis 27. August 2006). Im 50. Todesjahr des Dichters zeigt Marbach das Manuskript der Autobiografie »Doppelleben« (1950) von Gottfried Benn, das sich im Nachlass des Autors befindet.
Die Ausstellung wird von einer wissenschaftlichen Tagung in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg und mehreren Einzelveranstaltungen begleitet, die sich mit Benns Lektüre und seiner Korrespondenz befassen (weitere Informationen per Mail unter: Benn-Tagung(at)web.de). Sie wird von der Thyssen-Stiftung gefördert.
Am Donnerstag, 6. Juli, 20 Uhr, treffen sich nach der Ausstellungseröffnung durch den Kurator Jan Bürger die Lyriker Heinrich Detering, Aris Fioretos und Dirk von Petersdorff vor Benns ausgestellter Bibliothek. Einen Abend später, am 7. Juli, 20 Uhr, diskutieren der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner und der Benn-Biograf Helmut Lethen über den Dichter. Zu einer Matinee lädt das Archiv am Sonntag, 9. Juli, 11 Uhr, ins Literaturmuseum der Moderne ein, wenn die Schauspieler Anja Brünglinghaus und Sebastian Kowski (Staatstheater Stuttgart) aus Gottfried Benns Briefwechsel mit Gertrud Zenzes lesen. Mit einer Finissage endet am Sonntag, 27. August, 19 Uhr, die Benn-Ausstellung: Zu Gast sind der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit und der Benn-Biograf Gunnar Decker, die sich über das Verhältnis des Dichters zu Nietzsche austauschen.
Vom 7. September bis zum 22. Oktober ist in den beiden größeren Wechselausstellungsräumen des Museums eine der schönsten, weitgehend unbekannten Sammlungen des Marbacher Cotta-Archivs zu sehen: »Cottas Tischbein« präsentiert eine Auswahl aus über 250 Skizzen, farbigen Zeichnungen und illuminierten Kupferstichen, die der Verleger Johann Friedrich Cotta 1819 als Konvolut erwarb. Am Mittwoch, 6. September, 19 Uhr, führt Kuratorin Gudrun Körner in die Ausstellung ein; anschließend diskutieren der Journalist Andreas Platthaus (FAZ) und der Kunsthistoriker Werner Busch über Tischbeins Antiken-Zeichnungen.
Drei Wochen später, vom 28. September bis zum 26. November, beleuchtet eine Wechselausstellung die Beschäftigung des Philosophen Karl Jaspers mit seiner Schülerin Hannah Arendt, deren Denkstil er in einem unvollendeten Buch nachzuvollziehen suchte. »Karl Jaspers: Das Buch Hannah« zeigt im kleinsten Raum des LiMo die Fragmente jenes Buches aus dem Nachlass des Existenzphilosophen. Mit der Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 28. September, 19 Uhr, durch den Kurator Hans Saner beginnt zugleich eine zweitägige Tagung über »Philosophische Konstellationen mit Hannah Arendt«: Die Referate thematisieren unter anderem neun junge Gelehrte, die sich Ende der Zwanziger Jahre in Marburg kennen lernten und zu den wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts zählen: Karl Löwith, Gerhard Krüger, Hans-Georg Gadamer, Leo Strauss, Hans Jonas, Erich Auerbach, Werner Krauss, Max Kommerell und Hannah Arendt. Die Tagung wird von der Thyssen-Stiftung gefördert.
Im Rahmen des Literatursommers Romantik finden auch in Marbach zwei Veranstaltungen statt: Am Mittwoch, 20. September, 20 Uhr, spricht der Marbacher Literaturwissenschaftler Helmuth Mojem über Heine und die Dichter der »Schwäbischen Schule«, darunter Kerner, Mörike und Lenau. Mit dem Philosophen und Autor Rüdiger Safranski unterhält sich am Mittwoch, 27. September, 20 Uhr, Museumsleiterin Heike Gfrereis über »Die Deutschen und ihre Romantik«. Beide Veranstaltungen werden vom »Literatursommer Romantik« von der Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt.
Auch zwei Buchvorstellungen und eine »Zeitkapsel« finden sich im Marbacher Programmsommer: Wolf Lepenies, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, spricht am Donnerstag, 21. September, 20 Uhr, über die Thesen seines Buches »Kultur und Politik. Deutsche Geschichten«, und Dietrich Fischer-Dieskau diagnostiziert am Freitag, 29. September, 20 Uhr, die »Theaterleidenschaften im klassischen Weimar«. Die Buchpräsentation findet in Zusammenarbeit mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart statt. Eine »Zeitkapsel« mit den Briefen der jüngst verstorbenen Dichterin Hilde Domin und ihres Mannes, des Kunsthistorikers Walter Palm, öffnen am Mittwoch, 26. Juli, 20 Uhr, zwei Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs, Jan Bürger und Frank Druffner. Sie geben Einblick in die Jahre des Exils und das Werden der Dichterin.
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