Pressemitteilungen
2006
PM 86/2006
Literatur und Leibesbewegungen: Thomas Schmidt, der künftige Leiter der Marbacher Arbeitsstelle für literarische Museen, spricht über Schiller und den Sport
Marbach, 20. November 2006 —
»Freilich wäre der größte Teil der kulturellen Produktion [...] durch einfaches Turnen und zweckmäßige Bewegung im Freien mit großer Leichtigkeit zu verhindern gewesen«, schrieb Bertolt Brecht einmal. Was verbindet Literatur und Sport? Dieser Frage geht am Mittwoch, 22. November, 20 Uhr, der Germanist und Kulturwissenschaftler Dr. Thomas Schmidt im Deutschen Literaturarchiv Marbach nach. In seinem Vortrag »Frühe Lockerungen. Literatur und Leibesbewegungen« spürt er Zusammenhänge zwischen schöner Literatur und Leibesübungen in jener Zeit auf, in der für beide Disziplinen entscheidende Weichen gestellt wurden: in Aufklärung und Klassik. Der Vortrag kostet 5,-/3,- Euro Eintritt; es moderiert Dr. Heike Gfrereis.
Die Literatur um 1800 beanspruchte, am ganzen Menschen – also an Geist, Seele und Körper – zu arbeiten. Ebenso nahm die Leibespädagogik der Philanthropen, die später zum deutschen Turnen umetikettiert wurde, den Menschen ganzheitlich in den Blick und berief sich dabei wie die Literatur auf die Antike. Thomas Schmidt macht in seinem Vortrag sowohl auf Schillers Indienstnahme als »Sporttheoretiker« durch die Bewegungskultur im 19. und 20. Jahrhundert aufmerksam als auch auf die Rolle des Dichters bei der Bewertung des Sports. Es zeigt sich, dass Schiller an der andauernden kulturellen Unterordnung des Sports nicht unschuldig war. Literatur und Leibesübungen traten in eine Konkurrenzsituation, und die »frühen Lockerungen« führten mitunter zu Verspannungen – auch weil ihnen die kritische Reflexion durch die Literatur fehlte.
Dr. Thomas Schmidt ist der künftige Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, die im Deutschen Literaturarchiv Marbach angesiedelt ist. Er folgt am 1. Dezember 2006 Professor Dr. Thomas Scheuffelen nach, der Ende November in den Ruhestand geht.
