Pressemitteilungen

2006

PM 89/2006

Das Musel und der Meister: Sonja Schön und Ulrich Raulff zeigen und lesen aus Briefen von Friedrich Gundolf und Elisabeth Salomon

Marbach, 27. November 2006 —

»Time capsules« – Zeitkapseln – nannte Andy Warhol seine Pappschachteln, in denen er Dinge für die Nachwelt sammelte und verschloss. Seit über einem Jahr zeigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach in seiner Veranstaltungsreihe der »Zeitkapseln« neue Funde und verborgene Schätze aus den Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen in seinen Magazinen. Am Mittwoch, 13. Dezember, 20 Uhr, stellen Professor Dr. Ulrich Raulff, Direktor des Archivs, und Sonja Schön die achte »Zeitkapsel« vor: Sie zeigen den vor kurzem erworbenen Teilnachlass Friedrich Gundolfs (1880-1931) und lesen aus Briefen dieses berühmtesten Literaturwissenschaftlers des ersten Jahrhundertdrittels und seiner späteren Ehefrau, Elisabeth Salomon.

1500 Postkarten und Briefe wechselte das Paar, mehr als 4000 Blatt Papier füllte es mit seinen Gefühlen und Sehnsüchten, Ängsten und Gedanken. Eine Liebe im Netz anderer Lieben – im Rücken die Zeitläufe vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik, über sich den George-Kreis und die Macht des Meisters. Der Koffer, der diese irrsinnige Geschichte der Liebe und des Schmerzes von ihrem Beginn im Sommer 1914 bis zum Tod des Geliebten im Sommer 1931 bewahrte, kam Ostern 2006 aus Amerika ins Archiv.

Der Teilnachlass enthält auch umfangreiche Materialien zu Gundolfs Streit um sein uneheliches Kind und dessen Mutter Agathe Malachow, Verlagskorrespondenzen und Familienpapiere, zahlreiche Fotografien, kostbare Widmungsexemplare von Stefan George sowie Notizbücher, in die Gundolf seine Gedichte schrieb. Auf der Grundlage dieses Materials ist es erstmals möglich, eine sowohl wissenschaftliche als auch persönliche Aspekte umfassende Biografie des Germanisten zu schreiben. Weitere umfangreiche Korrespondenzen von Gundolf sind mit dem Nachlass des Philosophen Raymond Klibansky nach Marbach gekommen. Auch sie stehen der Forschung zur Verfügung.


Die Erwerbung des Teilnachlasses von Friedrich Gundolf wurde dank der großzügigen Unterstützung der Karl Wolfskehl-Stiftung, des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Koch, Neff und Volckmar GmbH ermöglicht.

 

Der Eintritt in die Veranstaltung kostet 5,-/3,- Euro; Ort ist der Humboldt-Saal des Deutschen Literaturarchivs.