Pressemitteilungen
2007
PM 011/2007
Im Literaturmuseum der Moderne ist von Donnerstag an die dritte fluxus-Ausstellung zu sehen: Der Schriftsteller Ulrich Woelk zeigt »Im Orbit des Archivs: 50 Jahre Sputnik«
Marbach, 12. Februar 2007 —
Am 4. Oktober 2007 wird der erste Sputnik 50 Jahre alt. Sputnik (russisch: »Weggefährte«) war der erste künstliche Satellit auf einer Umlaufbahn und der Name von insgesamt zehn sowjetischen Satelliten, die eine Erdumlaufbahn erreichten. Als Meilenstein der modernen Raumfahrt schien er urplötzlich jene Sphäre zu erhellen, die von Theologen, Philosophen und Dichtern seit Jahrtausenden beschrieben und besungen worden war: den Himmel. Doch wie spiegelt sich Sputnik in den Quellen des Archivs?
Die dritte fluxus-Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne widmet sich vom 15. Februar 2007 an dieser Frage. Ulrich Woelk, Astrophysiker und Schriftsteller, hat sich als Gastkurator auf die Suche nach dem literarischen Vor- und Nachleben des russischen Erdbegleiters begeben: Im kleinsten Raum der Dauerausstellung, fluxus, zeigt er neun Exponate aus den Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs. Vertreten sind unter anderem Max Benses Studie »Kosmologie und Ästhetik« über Alfred North Whitehead und Gertrude Stein (1957), eine Karteikarte von Ernst Jünger, auf der sich der Schriftsteller »Die Reaktion auf die russische Satelliten-Realisierung« notierte, und Karl Jaspers' Materialsammlung zur Frage »Wie kann man mit den Russen reden« (1958).
»Ich bin groß, du bist das Küken,/Hihihimmel, sollst dich bücken,/Muß mir meine Schputnicks pflücken«, schrieb Paul Celan 1964 in seinen »Abzählreimen«. Schon sechs Jahre früher, 1958, hatte der Dichter in seiner »Ansprache anläßlich der Entgegennahme des Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremen« (1958) auf den Sputnik und die Raumfahrt Bezug genommen – ebenso wie Günter Eich, der 1959 in seiner »Darmstädter Rede bei der Entgegennahme des Büchner-Preises« die deutlichen Worte fand, dass »uns die Weltereignisse mit Konferenzen und Mondraketen vorgespielt werden«. Auch Günter Kunerts Gedichtband »Erinnerung an einen Planeten« (1963) spielt auf den Sputnik an: Von Kunert werden in der Marbacher Ausstellung zwei Postkarten zum Thema gezeigt.
Ulrich Woelk, geboren 1960, war Physiker, bevor er die Schriftstellerei zum Beruf machte. Der gebürtige Kölner promovierte 1991 am Institut für Astronomie und Astrophysik der Technischen Universität Berlin, wo er bis 1994 als theoretischer Astrophysiker tätig war. Sein erster Roman »Freigang« wurde mit dem »aspekte«-Literaturpreis ausgezeichnet. Mit »Tod Liebe Verklärung« veröffentlichte Woelk sein erstes Theaterstück, das er zusammen mit dem Regisseur Uwe Eric Laufenberg im Schauspielhaus Köln 1993 uraufführte. Zuletzt erschien von ihm der Roman »Schrödingers Schlafzimmer« im Deutschen Taschenbuch Verlag.
Die fluxus-Ausstellung »Im Orbit des Archivs: 50 Jahre Sputnik« wird am 15. Februar, 19 Uhr, im Literaturmuseum der Moderne von Ulrich Woelk eröffnet; es moderiert Marcel Lepper. Zu sehen ist die Kleinstausstellung bis zum 3. Juni 2007.

