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2007

PM 017/2007

Frühlingsprogramm in Marbach: Im Jahr der Geisteswissenschaften zeigt das LiMo eine Ausstellung zum Thema »Ordnung. Eine unendliche Geschichte«

Marbach, 16. März 2007 —

Das Jahresthema »Ordnen« sowie runde Gedenk- und Jahrestage bestimmen das Frühjahrsprogramm des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Die »Ordnung« des Archivs und der Poesie wird in zwei großen Ereignissen lebendig: Im April widmet sich eine interdisziplinäre Tagung zur Erschließung jenen Wissensordnungen, die für ein Archiv bedeutend sind. Durch systematische Indices, Listen, Katalogisate und Datenbanken bahnt die Erschließung dem Forscher einen Weg zum Wissen (19. und 20. April 2007). Den Abendvortrag hält Uwe Jochum, Universitätsbibliothek Konstanz, am 19. April, 19 Uhr. Sein Thema: »Die Ordnung der Bibliothek – vom Kosmos zum Katalog«.

Auch in der von Heike Gfrereis und Helga Raulff kuratierten großen Wechselausstellung »Ordnung. Eine unendliche Geschichte« steht die Frage nach dem System im Mittelpunkt (21. Juni bis 21. Oktober 2007). Die Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne (LiMo) schöpft aus den literarischen und philosophischen Nachlässen des Deutschen Literaturarchivs. In ihren rund 200 Exponaten – unter anderem von Friedrich Schiller, Alexander von Humboldt, Rudolf Borchardt, Alfred Andersch, Alfred Döblin, Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler und Hermann Hesse – macht sie jene Spuren sichtbar, welche die immanenten Ordnungen der Literatur in ihrer Werkstatt – dem Büro der Autoren – hinterlassen haben. Zur Eröffnung am 21. Juni, 19 Uhr, spricht Martin Walser, von dem die Ausstellung vier Tagebücher zeigt.

Teile der kosmischen Ordnung machen sich auch in der dritten fluxus-Ausstellung des LiMo noch bis 3. Juni bemerkbar: 50 Jahre nach der Erkundung des Weltraums durch den Satelliten Sputnik hat der Astrophysiker und Schriftsteller Ulrich Woelk den kleinsten Raum der Dauerausstellung mit neun Exponaten zum Thema Sputnik bestückt. Außerdem ist im LiMo bis einschließlich 6. Mai 2007 die Ausstellung »Hans Magnus Enzensberger: WortSpielZeug« zu sehen. Enzensberger, dessen Poesieautomat aus der Sammlung Würth als Leihgabe für zehn Jahre im LiMo hängt, hat 18 Wortspielzeuge entworfen, die zu Wort- und Glücksspielen einladen. Die Ausstellung wird von der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall, übernommen.

Einige Gedenk- und Jahrestage bilden den zweiten Schwerpunkt des Marbacher Programmfrühlings: Den Anfang macht am 20. Mai, 10 bis 18 Uhr, der Internationale Museumstag, dessen Motto »Museen und kulturelles Erbe« das LiMo mit einem Themenschwerpunkt zu Literatur und Fahrrad aufnimmt. Wer »Mit dem Fahrrad ins LiMo« kommt, für den sind Museumsbesuch und Führung umsonst.

Zum zehnten Mal wird am 30. Mai, 20 Uhr, eine Marbacher Zeitkapsel geöffnet: Gisela Zoch-Westphal und Gunilla Eschenbach bringen anlässlich des 100. Geburtstags der Autorin Mascha Kaléko (1907-1975) Schätze aus dem Nachlass der Lyrikerin ans Licht. Am 23. und 24. Juni beschäftigt sich eine Tagung mit dem Politikwissenschaftler Dolf Sternberger (1907-1989), der 2007 gleichfalls 100 Jahre alt geworden wäre. Über Sternbergers politischen Sprachgebrauch diskutieren Bernhard Vogel, Christian Meier, Günther Nonnenbacher, Bill Dodd u.a.  Am Abend des 23. Juni, 20 Uhr, lesen Schauspieler des Stuttgarter Staatstheaters aus Sternbergers unveröffentlichter Korrespondenz mit Hannah Arendt.

Zum 50. Mal jährt sich der Todestag von Alfred Döblin: Aus diesem Anlass zeigt das LiMo-Kino am 17. Juni zwischen 8 und 24 Uhr die Langfassung von Fassbinders Roman-Verfilmung »Berlin Alexanderplatz«. Das Manuskript des Romans gehört zu den wertvollsten Marbacher Beständen. Gabriele Sander, Präsidentin der Internationalen Alfred-Döblin-Gesellschaft, präsentiert um 11 Uhr zusammen mit Dietmar Jaegle ihr Marbacher Magazin zum Roman-Manuskript.

Zu Gast in Marbach sind außerdem der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer sowie die Schriftsteller Patrick Roth und Emine Sevgi Özdamar: Karl Heinz Bohrer stellt am 18. April, 20 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv die Frage: »Gibt es eine böse Kunst?« Die Kleist-Preisträgerin Emine Sevgi Özdamar liest am 16. Juni, 20 Uhr, aus ihrem Roman »Seltsame Sterne starren zur Erde«. Am 29. Juni, 20 Uhr, zeigt der Schriftsteller Patrick Roth seinen Film »In My Life – 12 Places I Remember« und spricht mit der Literaturwissenschaftlerin Michaela Kopp-Marx über die Grauzonen zwischen Literatur und Hollywood.