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2007

PM 019/2007

Zeitgeschichte in der Literatur nach 1945: In Marbach diskutieren Historiker und Literaturwissenschaftler über die Arbeit mit und an der Vergangenheit

Marbach, 19. März 2007 —

Wie alternativ sind Alternativgeschichten? Wie bleibt Vertreibung im literarischen Gedächtnis haften? Wem gehört Geschichte? Zum Thema »Zeitgeschichte in der Literatur nach 1945« versammeln sich von Mittwoch, 28. März, bis Freitag, 30. März, Historiker, Politologen und Literaturwissenschaftler im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Die internationale Tagung ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Humboldt-Universität Berlin, der Konrad Adenauer Stiftung und des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Sie wird von Wolfgang Hardtwig und Erhard Schütz, beide Berlin, geleitet.

In der Forschung ist Zeitgeschichte hochaktuell. Der Historiker Hans Rothfels definierte sie einmal als »Epoche der Mitlebenden und ihre wissenschaftliche Behandlung« sowie als »eine neue universalgeschichtliche Epoche«. Definiert durch den Standpunkt der eigenen Gegenwart und durch die eigene Sicht auf historische Ereignisse, ist Zeitgeschichte stets ein sowohl subjektiver als auch objektiver Forschungsgegenstand. Auch die Literatur verlangt von ihrem Leser die Einbettung in einen historischen Kontext – und doch liest jeder einen Text subjektiv, aufgrund seiner eigenen Gegenwart und Vergangenheit.

Zu Beginn der Tagung am Mittwoch, 28. März, 15.30 Uhr, führt Wolfgang Hardtwig in das Verhältnis von Zeitgeschichte und Literatur ein. Um 16 Uhr spricht Elena Agazzi, Bergamo, über »Nationales Gedächtnis in Deutschland und Italien nach 1945«. Marc Silbermann, Madison, Wisconsin, analysiert die Spuren der Zeitgeschichte in frühen DDR-Romanen (17 Uhr), und Erhard Schütz fragt zum Abschluss des ersten Tages nach »Alternativgeschichten« (17.30 Uhr).

Am Samstag eröffnet Björn Weyand, Frankfurt/M., den Tag mit Thesen zur »Jetztzeitarchivalik« (9.30 Uhr). Über »Das Kind als Vermittler von Wissen über den Nationalsozialismus« (10 Uhr) spricht Peter Fritzsche, Urbana-Campaign, Illinois. Michael Braun, Bonn, diskutiert die Frage: »Wem gehört Geschichte« (11.30 Uhr), und Matthias Uecker, Nottingham, referiert über »Arbeiten an der Geschichte. Formen der Selbstdarstellung in Alexander Kluges Geschichten« (12 Uhr). Um 15 Uhr spricht Alexandra Tacke, Berlin, über das Thema »Unmasking Hitler: Das Spiel mit den Masken des Bösen«, und um 15.30 Uhr analysiert Andy Hahnemann, Berlin, die Anzeichen des Kalten Kriegs in der Unterhaltungsliteratur der 50-er Jahre. Die Abendvorträge halten Katja Stopke, Potsdam, über »Vertriebene Erinnerung« (17 Uhr), und Helmut Mörchen, Bad Münstereifel, über das »Wirtschaftswunderland« (17.30 Uhr).

Steffen Martus, Erlangen, entwickelt am Freitag, 30. März, 9.30 Uhr, Perspektiven auf das literarische Datum 1968. Thomas Wegmann, Berlin, beleuchtet im Anschluss den »Terrorismus der siebziger Jahre« (10 Uhr). Elke Brüns, Greifswald, widmet sich der »Ökonomie der Wende« (11.30 Uhr), während sich Meike Hermann, Berlin, die jüngsten Entwicklungen in der deutschsprachigen Erinnerungsliteratur zum Thema macht (12 Uhr).


Am Donnerstag abend, 29. März, 20 Uhr, liest der Schriftsteller Ingo Schulze im Humboldt-Saal des Deutschen Literaturarchivs aus seinem neuen Roman »Handy«. Die Lesung findet im Rahmen der Tagung statt. Der Eintritt kostet 5,- /3,- Euro. Es moderiert Jan Bürger.