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2007

PM 034/2007

Überleben im Schrank: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach übernimmt den Nachlass des Schriftstellers Konrad Merz

Marbach, 10. Mai 2007 —

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass des jüdischen Exilschriftstellers Konrad Merz (1908-1999) übernommen. Merz, in Berlin unter dem Namen Kurt Lehmann geboren, musste 1934 aus Deutschland in die Niederlande fliehen. Diese Erfahrung der Emigration machte ihn zum Schriftsteller: Sein Roman »Ein Mensch fällt aus Deutschland«, der 1936 im Amsterdamer Querido Verlag veröffentlicht wurde, gehört zu den ersten Büchern, die das Exil zum literarischen Thema machen.

Nach seiner Flucht in die Niederlande arbeitete Merz zunächst als Gärtner und Hilfsarbeiter in Ilpendam. Dort überlebte er nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in einem Schrank, in dem er sich jahrelang versteckt hielt. Die Tatsache, dass sein Romandebüt bei Querido ohne Autorenfoto erschienen war, entschied möglicherweise seine Rettung. Die Nationalsozialisten suchten vergeblich nach Konrad Merz, während der Jude Kurt Lehmann untertauchen konnte.

Nach dem Krieg baute sich Merz im niederländischen Purmerend eine neue Existenz als Physiotherapeut auf. Literarisch blieb es jahrzehntelang still um ihn, bis er in den 1970-er Jahren wieder zu publizieren begann. Mit Büchern wie »Der Mann der Hitler nicht erschossen hat« (1976), »Glücksmaschine Mensch« (1982) und »Liebeskunst für Greise« (1992) legte Merz ein beachtliches Alterswerk vor, bevor er am 3. Dezember 1999 im niederländischen Purmerend starb – anderthalb Jahre, nachdem ihm seine Geburtsstadt Berlin anlässlich seines 90. Geburtstags eine späte Würdigung erwiesen hatte.

In seinem Nachlass, der nun in Marbach erschlossen wird, ist Merz' Weg ins Exil und sein Überleben anhand von Tagebüchern, Lebenszeugnissen und Briefen dokumentiert. Darüber hinaus werden Manuskripte zu Merz' Büchern und Briefwechsel mit namhaften Persönlichkeiten wie Horst Bienek, Menno ter Braak, Walter Höllerer, Fritz H. Landshoff (Querido Verlag), Hendrik Marsman und Albert Vigoleis Thelen zugänglich.