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2007

PM 036/2007

»Die paar leuchtenden Jahre«: Die zehnte Marbacher »Zeitkapsel« erinnert an die Lyrikerin Mascha Kaléko, die am 7. Juni hundert Jahre alt geworden wäre

Marbach, 21. Mai 2007 —

»Time capsules« – Zeitkapseln – nannte Andy Warhol seine Pappschachteln, in denen er Dinge für die Nachwelt sammelte und verschloss. Seit über einem Jahr zeigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach in seiner Veranstaltungsreihe der »Zeitkapseln« neue Funde und verborgene Schätze aus den Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen in seinen Magazinen. Dem Leben und Werk der jüdischen Lyrikerin Mascha Kaléko ist am Mittwoch, 30. Mai, 20 Uhr, die zehnte Marbacher »Zeitkapsel« gewidmet: Gemeinsam mit Gunilla Eschenbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Handschriftenabteilung, stellt die Rezitatorin und Kaléko-Biografin Gisela Zoch-Westphal den literarischen Nachlass der Dichterin vor, die am 7. Juni 2007 hundert Jahre alt geworden wäre. Der Eintritt in die Veranstaltung  kostet 5,-/3,- Euro.

Im persönlichen Umgang gab die 1907 in Galizien geborene und 1975 in Zürich gestorbene Mascha Kaléko wenig von ihrem Privatleben preis. In ihren Gedichten hingegen verhandelt sie ihre zentralen Themen wie den Alltag in der Großstadt Berlin und die melancholische Suche nach Glück, die Liebe und ihr Scheitern, die Erfahrungen mit Einsamkeit und Exil. Der Ton ihrer veröffentlichten Texte ist heiter-melancholisch, bisweilen auch wehmütig und verzweifelt; selbst ihre (scheinbar) autobiografischen Gedichte zeigen noch eine feine Kontrolle über Emotionen. Die unveröffentlichten Texte aus dem Nachlass hingegen sprechen eine verstörendere, häufig auch von Ängsten bestimmte Sprache. Kalékos Nachlass wurde vom Deutschen Literaturarchiv Marbach 1986 als Depositum erworben und ging 1993 in seinen Besitz über.

Noch vor der »Zeitkapsel«, um 18 Uhr , wird im Literaturmuseum der Moderne eine öffentliche Führung durch die Dauerausstellung zur Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts angeboten. Auch hier erinnern verschiedene Exponate an Mascha Kaléko – so etwa eine Schallplatte der Werbetexterin für den größten Berliner Vergnügungspalast der Zwischenkriegszeit, das »Haus Vaterland«, aus dem Jahr 1935. Die Teilnahme an der einstündigen Führung kostet 5,-/3,- Euro.

Foto: DLA Marbach