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2007

PM 040/2007

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach erhält einen Teil des Vorlasses von Martin Walser – Am 21. Juni spricht Walser in Marbach über »Ordnung«

Marbach, 11. Juni 2007 —

Der Schriftsteller Martin Walser hat dem Deutschen Literaturarchiv Marbach einen bedeutenden Teil seines Archivs als Dauerleihgabe übergeben. Es umfasst die Manuskripte seiner wichtigsten erzählerischen und dramatischen Werke und stellt den Kernbestand des Walserschen Vorlasses dar.

In den rund 30 Archivkästen befinden sich die Vorarbeiten und Handschriften zu so zentralen Prosawerken wie »Das Einhorn« (1966), »Der Sturz« (1973), »Jenseits der Liebe« (1976), »Ein fliehendes Pferd« (1978), »Seelenarbeit« (1979), »Das Schwanenhaus« (1980), »Brandung« (1985), »Brief an Lord Liszt« (1985), »Ohne einander« (1993),»Finks Krieg« (1996), »Ein springender Brunnen« (1998) und »Verteidigung der Kindheit« (1991). Manche Manuskripte umfassen fast 2000 Seiten. Außerdem hat Walser, der für seine Handschriften häufig die Rückseite von bedrucktem Papier verwendete, Dramen, Essays und seine Frankfurter Poetik-Vorlesungen nach Marbach gegeben.

Bereits im Oktober 2004 hatte Walser mit dem Deutschen Literaturarchiv vereinbart, dass Marbach der endgültige Ort für die Bewahrung, Erschließung und Erforschung seines Nachlasses sein sollte. Walsers Bibliothek und Teile seines umfangreichen Archivs sollten zunächst noch in seinem Haus am Bodensee bleiben. Nun hat sich der Schriftsteller entschlossen, schon zu Lebzeiten einen Teil seines Archivs als Depositum nach Marbach zu geben.

In Marbach spricht Martin Walser am Donnerstag, 21. Juni, 19 Uhr, zur Eröffnung der großen Sonderausstellung »Ordnung. Eine unendliche Geschichte« im Literaturmuseum der Moderne über die »Hingeschriebenheit« der Dinge und die »notwendige Unschuld« von Tagebüchern. Schreiben als Lebensart, das gibt es für Walser nur in seinen privaten Notizbüchern, von denen er vier in der Ausstellung zeigt: »In ihnen darf das Unwillkürliche selbst endlich erscheinen. Und das ist das Gegenteil des Beliebigen. Nichts Beabsichtigtes kommt ihm gleich. Es ist der Ausweis der innersten Ordnung.«

Martin Walser (geb. 1927) gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Zuletzt erschienen von ihm der Roman »Angstblüte« (2006) und »Das geschundene Tier. Neununddreißig Balladen« (2007). Für sein Werk hat Walser zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, unter anderem den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1990) und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1998).