Pressemitteilungen

2007

PM 047/2007

Der Programmsommer in Marbach bringt Lesungen, Vorträge und Führungen zur großen Ausstellung »Ordnung« – und die 3. Internationale Sommerschule

Marbach, 26. Juni 2007 —

Der Programmsommer auf der Schillerhöhe steht ganz im Zeichen der Ordnung: »Ordnung. Eine unendliche Geschichte« heißt die von Heike Gfrereis und Helga Raulff kuratierte Ausstellung, die bis zum 21. Oktober im Literaturmuseum der Moderne zu sehen ist. Sie wird von einem vielfältigen literarischen Programm, von Lesungen und einem Sommerfest, Führungen und Workshops begleitet. Außerdem finder im Deutschen Literaturarchiv Marbach zum dritten Mal die Internationale Sommerschule statt.

Oft ist ein hoher Aufwand an Planung, Konzeption und poetischer Ordnung notwendig, damit ein literarisches Werk entsteht. Der Lyriker und Büchnerpreisträger Oskar Pastior hat eine Pralinenschachtel in eine Buchstabenbox verwandelt, um jene Lettern aufzubewahren, die er für die Anagramme in seinen Gedichten verwendet. Pastiors Ästhetik und seiner Sprachskepsis spüren Jan Bürger, stellvertretender Leiter der Marbacher Handschriftenabteilung, und der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus Ramm, am Mittwoch, 12. September, 20 Uhr, in der zehnten Marbacher Zeitkapsel nach: »Wortkunst, radikal«.

Was ist für Feridun Zaimoglu poetisch richtig und was falsch? Warum wird das Kaputte Kult, das Außerordentliche Kunst? Was unterscheidet den Sprachfehler in der Literatur von dem im Leben? Beim Sommerfest auf der Schillerhöhe am Sonntag, 1. Juli, diskutiert Roland Kamzelak, der stellvertretende Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, mit dem erfolgreichen Autor über das Andersein in der Literatur (15 Uhr). Im Anschluss daran lesen Schüler Gedichte von Oskar Pastior und sprechen mit ihren Lehrern über die anderen Ordnungen der Literatur. Von 11 bis 17 Uhr werden kostenlose Führungen durch das Literaturmuseum der Moderne in deutscher und türkischer Sprache (14 und 17 Uhr) angeboten. Der Eintritt zu den Veranstaltungen und ins Museum ist frei.

Zu Gast im Deutschen Literaturarchiv sind am Mittwoch, 11. Juli, 20 Uhr, der Schriftsteller Günter Grass und der Literaturwissenschaftler Jürgen Manthey: Anlässlich des 50. Todestages von Alfred Döblin (1878-1957) unterhalten sie sich an jenem Ort über ihre Beziehung zu Döblin, an dem sein Nachlass aufbewahrt wird. – Einen Charismatiker des frühen 20. Jahrhunderts stellt am Donnerstag, 30. August, 20 Uhr, der Biograf und ehemalige Redakteur der Zeitschrift »Castrum Peregrini«, Thomas Karlauf, in Marbach vor. Er hat die erste umfassende Biographie über Stefan George in deutscher Sprache geschrieben. Den Abend moderiert Jens Bisky, Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung (Berlin).

Zum Nachdenken über Literatur(-wissenschaft) regt auch die 3. Internationale Marbacher Sommerschule vom 15. Juli bis zum 3. August an: Unter dem Titel »Literatur denken! Theorie-Experimente 1945-1989« arbeiten 20 junge Wissenschaftler über Literaturtheorie und Theorieliteratur im Archiv. Zu Gast in Marbach ist, im Rahmen der Sommerschule, am Mittwoch, 18. Juli, 20 Uhr, die Schriftstellerin Ulrike Draesner. Eine Woche später, am 25. Juli, 20 Uhr, liest der Romanautor Thomas Hettche aus seinem Werk. Beide Lesungen sind öffentlich.

Neben der Sommerschule lädt der Marbacher Programmsommer zu zwei Tagungen ein. Eine »Bilanz der Begriffsgeschichte« ziehen am Freitag, 31. August, ab 14 Uhr, die Herausgeber des 1971 begonnenen und nun zu Ende gebrachten »Historischen Wörterbuchs der Philosophie« im Basler Schwabe Verlag. Herausgeber und Referenten (Otto Gerhard Oexle, Michael Stolleis, Dieter Teichert und Carsten Dutt) diskutieren über die Leistungen und Perspektiven begriffsgeschichtlicher Forschung.

Abgeschlossen ist auch die Ausgabe der »Gesammelten Schriften« des Soziologen Norbert Elias: In Marbach widmet sich am Freitag und Samstag, 14. und 15. September eine Tagung dem spät entdeckten Gesamtwerk des Soziologen, dessen Nachlass im Archiv liegt. Anmeldungen für beide Tagungen sind unter: wollg@dla-marbach.de möglich. – In einem öffentlichen Abendkonzert trägt am Freitag, 14. September, 19.30 Uhr, außerdem der Sprecher Jens Winterstein die »Ballade vom armen Jacob« vor (Text: Norbert Elias, Musik: Hans Gál. Am Piano: Stefan Schreiber).

Zum 250. Geburtstag von Schillers ältester Schwester Christophine Reinwald zeigt das Marbacher Geburtshaus des Dichters vom 4. September an die Ausstellung »Theuerste Schwester! Christophine Reinwald, geborene Schiller« (Kurator: Michael Davidis). Die Ausstellung, die derzeit im Schloss Elisabethenburgb in Meiningen zu sehen ist, wird am Dienstag, 4. September, 18 Uhr eröffnet und bis Ende 2008 gezeigt.