Pressemitteilungen
2007
PM 051/2007
»Literatur denken!« Im Deutschen Literaturarchiv Marbach beginnt am kommenden Sonntag die 3. Internationale Sommerschule mit 20 Doktorandinnen und Doktoranden aus aller Welt
Marbach, 10. Juli 2007 —
»Das Vertrauen in Theorien ist geschwunden«, schrieb der Architekt Rem Koolhaas 2006. Was für die Debatten im öffentlichen Raum gilt, lässt sich in modifizierter Form auch von gegenwärtigen Tendenzen in der Literatur und der Literaturwissenschaft sagen: Literaturtheorie und literarische Theorie-Experimente, wie sie die Nachkriegszeit bestimmt haben, sind sich selbst historisch geworden. In Nachlässen von literarischen Autoren und Wissenschaftlern ist die Hochkonjunktur der theoretischen Experimente reichhaltig dokumentiert. Mit welchen Ansprüchen sind Theorieliteratur und Literaturtheorie angetreten? Welche Versprechen haben sie eingelöst, an welchen Problemstellungen sind sie gescheitert? In welcher veränderten Form haben Literaturtheorie und Theorieliteratur eine Zukunft?
Diesen Fragen widmen sich von Sonntag, 15. Juli, bis Freitag, 3. August, zwanzig Stipendiatinnen und Stipendiaten im Rahmen der 3. Internationalen Sommerschule, die im Deutschen Literaturarchiv Marbach stattfindet. Gemeinsam mit neun Dozentinnen und Dozenten erarbeiten sie anhand ausgewählter Texte entscheidende Themenkomplexe im Bereich Literaturtheorie und Theorieliteratur zwischen 1945 und 1989, diskutieren die Veränderung des Literaturbegriffs, über strukturalistische und poststrukturalistische Literaturtheorien, philosophische Kontroversen über den Literaturbegriff, literarische Fiktion und Imagination.
Neben ihrem Seminarprogramm werden die Studierenden in der ersten Woche mit dem Marbacher Campus und dessen Geschichte vertraut gemacht, ebenso wie mit der Arbeit der einzelnen Abteilungen. Sie erhalten Einführungen in die Quellen- und Handschriftenkunde, in die Arbeitsweisen eines Literaturarchivs und erarbeiten ein begrenztes Thema anhand der Bestände der Bibliothek, der Dokumentationsstelle und der Handschriftenabteilung. Die Ergebnisse werden bei einem Abschlusssymposium am 2. August vorgestellt.
Während der Sommerschule lesen außerdem die GegenwartsautorInnen Ulrike Draesner und Thomas Hettche in Marbach aus ihren aktuellen Arbeiten und diskutieren mit den StipendiatInnen. Ebenso sind die Wissenschaftler Steffen Siegel (Berlin), Andreas Kilcher (Tübingen) und Rudolf Stichweh (Luzern) eingeladen und halten öffentliche Abendvorträge.
Die Sommerschule Literaturwissenschaft in Marbach ist ein gemeinsames Projekt des Deutschen Literaturarchivs Marbach, der Universität Stuttgart, der University of Wisconsin, Madison (USA) und des DAAD. Sie ist zugleich ein Beitrag im Jahr der Geisteswissenschaften. Eröffnet wird die 3. Internationale Sommerschule am Sonntag, 15. Juli, 16 Uhr, im Deutschen Literaturarchiv Marbach durch die Vertreter der beteiligten Institutionen, die Vorstellung der TeilnehmerInnen und DozentInnen.
