Pressemitteilungen
2007
PM 054/2007
Porträtiert von Max Beckmann: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass des Schriftstellers Rudolf Binding (1867-1938) als Erbschaft bekommen
Marbach, 18. Juli 2007 —
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass des konservativen Schriftstellers Rudolf G. Binding (1867-1938) als Erbschaft erhalten. Binding, der den Ersten Weltkrieg als Rittmeister und Stabsoffizier erlebte, wurde unter anderem durch sein auf Kriegstagebüchern beruhendes Werk »Aus dem Kriege« (1924), durch Gedichte und Prosawerke wie »Der Opfergang« (1911), »Keuschheitslegende« (1919), »Reitvorschrift für eine Geliebte« (1926) oder »Moselfahrt aus Liebeskummer« (1932) zu einem der bekanntesten deutschen Autoren. Neben Werkmanuskripten enthält der Nachlass Korrespondenzen mit Schriftstellerkollegen wie Ina Seidel, Wilhelm Stapel, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Hans Grimm, Jakob Wassermann, Carl Zuckmayer und Stefan Zweig, aber auch mit Künstlern wie Georg Kolbe, Alfred Kubin, Gerhard Marcks und Max Beckmann.
Bindings Interesse für die bildende Kunst spiegeln auch die Gemälde, Skulpturen und graphischen Arbeiten wider, die Bestandteil des Nachlasses sind. Außer einer Kleinplastik von Georg Kolbe und der Büste seines Vaters von Fritz Klimsch gehören vor allem die Porträts des Schriftstellers selbst dazu: eine Büste zum 60. sowie eine Reliefmedaille zum 70. Geburtstag von Richard Scheibe, außerdem ein Porträtgemälde des 45-Jährigen von Benno Berneis. Das kostbarste und bedeutendste Bildnis, das sich schon seit längerem im Deutschen Literaturarchiv befindet, entstand 1935 als Auftragsarbeit Max Beckmanns.
Im Nachlass ist auch ein Dankesbrief des Schriftstellers an den Maler vom 15. Juli 1935 enthalten, der einen Honorarscheck über 1500 Reichsmark begleitete: »Lassen Sie mich sagen, daß ich die Empfindung habe, nicht nur ein sehr schönes Bild von Ihnen zu besitzen sondern auch ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Überdies hatte ich gute Stunden mit Ihnen und Ihrer Frau und wir haben einander nicht gelangweilt. Dies ist bekanntlich viel.« Der begeisterte Binding-Leser Max Beckmann äußerte sich in seiner Antwort ebenfalls zufrieden: »So weit man an einem Portrait etwas von der ungeheuren Vielfältigkeit eines Menschen zusammendrängen kann, habe ich wenigstens einiges davon erreicht.«
Während Beckmann seit 1933 als »entarteter Künstler« angegriffen wurde und 1937 emigrierte, blieb Binding bis zu seinem Tod in Deutschland. Zur Erforschung der Literatur im Dritten Reich enthält sein Nachlass zahlreiche bislang unbekannte Quellen.
Zu unserer Abbildung:
Max Beckmann: Rudolf G. Binding. Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2007.
Ein Foto des Beckmann-Porträts von Rudolf Binding stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung. Für die Klärung der Rechte vor einer Abbildung verweisen wir auf die VG Bild-Kunst, Telefon: 0228-915340, Mail: info(at)bildkunst.de.

