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2007

PM 065/2007

Der siebte Band des Tagebuches von Harry Graf Kessler ist bei Cotta erschienen: Diplomatie, Politik und Pazifismus in der Weimarer Republik

Marbach, 22. August 2007 —

Im Verlag Cotta ist nun der siebte Band der insgesamt neunbändigen Tagebuch-Hybrid-Edition von Harry Graf Kessler erschienen. Der knapp 1.100 Seiten umfassende Band dokumentiert die Frühphase der Weimarer Republik (1919 bis 1923) und bietet – im Gegensatz zur 1961 von Wolfgang Pfeiffer-Belli publizierten Auswahl – den vollständigen Tagebuchtext. Herausgegeben wurde Band VII von Angela Reinthal vom Deutschen Literaturarchiv Marbach unter Mitarbeit von Janna Brechmacher und Christoph Hilse.

Konzentrierte sich Kessler in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in erster Linie  auf seine Kontakte mit Künstlern und Schriftstellern, so richtet sich sein  Augenmerk nach dem Krieg auf die Geschehnisse der deutschen und  internationalen Politik und Diplomatie. Der Band setzt mit einer Schilderung des Spartakus-Aufstandes in Berlin ein, schildert die Stimmung in Deutschland nach der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, die deprimierende Atmosphäre während der Pariser Friedensverhandlungen und die Anfänge des Völkerbundes. Für den Pazifismus und die Völkerverständigung setzte sich Kessler mit seinen vielen nationalen und internationalen Verbindungen wiederholt ein.

Großen Raum nimmt im Tagebuch die Schilderung der Weltwirtschaftskonferenz von Genua 1922 und der Abschluss des Vertrags von Rapallo ein. Kesslers Beobachtungen der Person Walter Rathenaus in Genua und in Berlin sind in seinem Tagebuch dokumentiert und bilden die Grundlage für seine 1928 erschienene Rathenau-Biografie. Neben seinen politischen Kontakten pflegte Kessler aber auch nach dem Ersten Weltkrieg seine Bekanntschaften mit Künstlern. Der Band schildert Begegnungen mit Johannes R. Becher, George Grosz, Wieland Herzfelde, Annette Kolb, Viktor Naumann und vielen anderen.

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach stellt am Mittwoch, 26. September, den VII. Band der Kessler-Edition im Heinrich Heine-Haus in Paris vor. Roland Kamzelak, einer der Herausgeber der Tagebücher, und Angela Reinthal, Herausgeberin des VII. Bandes, eröffnen damit das Kulturprogramm 2007/2008 des Hauses.

Harry Graf Kessler: Das Tagebuch. Hrsg. von Roland S. Kamzelak und Ulrich Ott. Bd. VII: 1919-23. Hrsg. von Angela Reinthal unter Mitarbeit von Janna Brechmacher und Christoph Hilse. Stuttgart (Cotta) 2007. 1095 Seiten. Leinen: 59,- Euro (Einzelpreis), 49,- Euro (Subskriptionspreis) (Veröffentlichungen der Deutschen Schillergesellschaft, Band 50.7).

Foto: Harry Graf Kessler um 1930. Foto: DLA