Pressemitteilungen
2007
PM 066/2007
Marbach hat den Nachlass von Joachim Ritter erworben – Ein Kolloquium würdigt die Fertigstellung des »Historischen Wörterbuchs der Philosophie«
Marbach, 23. August 2007 —
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass des Philosophen Joachim Ritter (1903-1974) erworben. Er gehörte zu den einflussreichsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts und wirkte mit seinen Überlegungen zur Theorie der Geisteswissenschaften und zur praktischen Philosophie weit über die Fachgeschichte hinaus. Ritter, der bis zu seiner Emeritierung 1968 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster lehrte, prägte unter anderen die Philosophen Hermann Lübbe, Odo Marquard und Robert Spaemann, die zu seinen Schülern zählten. In seinem Nachlass finden sich Vorlesungen aus den Jahren 1933 bis 1968, Vorträge von 1922 bis 1967, Aufzeichnungen aus dem schottischen Kriegsgefangenenlager Shap Wells, Akten zur Universitätsgeschichte, Dokumente zur Gründungsgeschichte verschiedener Universitäten (darunter Bielefeld und Bochum) sowie zu wissenschaftspolitischen Themen, Gutachten und Briefwechsel, beispielsweise mit Carl Schmitt. Die Dokumente zeigen, dass Dichtung und Ästhetik nicht nur bevorzugte Gegenstände von Ritters Denken waren, sondern auch seinen eigenen, essayistischen Sprachstil beeinflussen. Sein Nachlass, der nun für die Forschung geordnet wird, fügt sich in die Marbacher Sammlung von Gelehrten- und Philosophennachlässen hervorragend ein.
Herausgeber des »Historischen Wörterbuchs der Philosophie«
Von 1971 bis zu seinem Tod 1974 war Ritter – als Vorgänger von Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel – Hauptherausgeber des »Historischen Wörterbuchs der Philosophie«. Bis heute bildet das Wörterbuch eine der wichtigsten Arbeitsgrundlagen geisteswissenschaftlicher Lehre und Forschung. Gegenüber anderen philosophischen Wörterbüchern zeichnet es sich durch seine begriffshistorische Darstellungsmethode aus: Es dokumentiert die Genese und den Bedeutungswandel philosophischer und philosophisch relevanter wissenschaftlicher Begriffe anhand präziser Belege und Stellenangaben. Damit werden die Stellung und die Bedeutung einzelner Begriffe in bestimmten Epochen, bei bestimmten Philosophen sowie übergreifende begriffsgeschichtliche Prozesse nachvollziehbar.
Kolloquium zum »Historischen Wörterbuch« am 31. August in Marbach
Die Vollendung des »Historischen Wörterbuchs der Philosophie« in diesem Jahr mit dem 13. Band, dem Register, würdigt das Deutsche Literaturarchiv Marbach am Freitag, 31. August, ab 14 Uhr mit einem Kolloquium zur »Bilanz der Begriffsgeschichte«, das in Zusammenarbeit mit dem Schwabe Verlag, Basel, veranstaltet wird. Unter der Leitung von Volker Gerhardt (Berlin) werden Gottfried Gabriel (Jena), Petra Gehring (Darmstadt), Otto Gerhard Oexle (Göttingen), Michael Stolleis (Frankfurt/M.), Carsten Dutt (Marbach/ Heidelberg) und Dieter Teichert (Konstanz) über das Geleistete und noch zu Leistende sprechen. Um 16 Uhr schließt sich eine Diskussionsrunde der Referenten mit dem Herausgeberkreis des Historischen Wörterbuchs an. Die Veranstaltung endet gegen 18 Uhr.
Foto: DLA Marbach
Anmeldungen nimmt das Deutsche Literaturarchiv unter Telefon 07144-848-433 oder mit einer Mail an: wollgarten(at)dla-marbach.de entgegen.

