Pressemitteilungen
2007
PM 077/2007
Programmherbst in Marbach: Das LiMo zeigt die Ausstellung »Kippfiguren. Robert Gernhardts 'Brunnen'-Hefte«. Henning Ritter hält die Schillerrede 2007
Marbach, 26. September 2007 —
Tagebuch, Skizzenblock, Manuskriptpapier und ästhetisches Großprojekt: Vom Sommer 1979 bis zu seinem Tod am 30. Juni 2006 hat der 1937 in Reval, Estland, geborene Maler, Karikaturist und Schriftsteller Robert Gernhardt kontinuierlich in Schulhefte, die so genannten »Brunnen-Hefte«, geschrieben und gezeichnet: Gedichte und Erzählungen, Cartoons und Stillleben, Satiren, Aphorismen und Essays, Träume und Klatsch, Menschen, Tiere und Fabelwesen und immer wieder die eigene Hand. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach, das im Frühsommer 2006 Gernhardts schriftlichen Vorlass erworben hat, zeigt dieses unbekannte Werk erstmals im Literaturmuseum der Moderne (11. November 2007 bis zum 24. Februar 2008). Zur Eröffnung der Ausstellung am 11. November 2007, 11 Uhr, sprechen Almut Gehebe-Gernhardt, der Schriftsteller Martin Mosebach und Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Am 13. Dezember 2007, an Robert Gernhardts 70. Geburtstag um 20 Uhr, erkundet der renommierte Kenner der Philosophie des Mittelalters Kurt Flasch die Denkwelten des Dichters.
Neben Robert Gernhardt widmet das Marbach im Herbst und Winter seinem Jahresthema »Ordnen« als zweitem Schwerpunkt breiten Raum: Noch bevor die Sommerausstellung »Ordnung. Eine unendliche Geschichte« am 21. Oktober im Literaturmuseum der Moderne zu Ende geht, ist am 2. Oktober, 20 Uhr, der Lyriker Durs Grünbein zu Gast. Grünbein, der Marbach Vorarbeiten und Manuskriptseiten aus seinem eigenen Archiv für die »Ordnung«-Ausstellung ausgeliehen hat, spricht über sein neues Buch »Strophen für übermorgen«. Einen Tag später, am 3. Oktober, 19 Uhr, ortet die Stuttgarter Literaturwissenschaftlerin Hannelore Schlaffer die Ordnungsprinzipien der Liebe in der Marbacher Ausstellung. Zur Finissage am 21. Oktober, 11 Uhr erläutertet die Schriftstellerin Brigitte Kronauer anhand ihres neuen Buches »Die errötenden Mörder« ihre Gewohnheit, kein publiziertes Manuskript oder Vorarbeiten aufzubewahren – gut für die Literatur, schlecht fürs Archiv? Die Jahrestagung 2007 »Unsichtbare Ordnungen« beschließt am 14. und 15. Dezember das Thema »Ordnen« im Literaturarchiv: Über die Eleganz des Kalkulierten in der Literatur und in der Kunst sprechen u. a. Andreas Kilcher (Tübingen), Verena Lobsien (Berlin) und Nikolaus Wegmann (Köln).
Auch Friedrich Schiller kommt im Herbst- und Winterprogramm nicht zu kurz: Unter dem Motto »Die Räuber« führt der Tag der offenen Tür am 4. November, 12 bis 19 Uhr, in die Magazine des Archivs, über den Campus und durch die Dauerausstellung des LiMo. Um 19 Uhr lesen Jan Bürger und Rainer Weiss aus dem Romanfragment »Die Tournee« des Krimiautors Jörg Fauser. An Schillers Geburtstag, dem 10. November 2007, 18 Uhr, erörtert Henning Ritter, Feuilletonredakteur der F.A.Z., die Bedeutung von Schillers Satz »Man wird in andern Weltteilen in dem Neger die Menschheit ehren und in Europa sie in dem Denker schänden«. Am selben Tag um 20 Uhr verleiht die Stadt Marbach ihren Schillerpreis an den Freiburger Historiker Dr. Dieter Mertens in der Stadthalle.
Gleich mehrere Tagungen und ein Ehrenkolloquium finden in diesem Programmherbst außerdem in Marbach statt: Vom 26. bis 27. Oktober 2007 tagen der Museumsverband Baden-Württemberg und die Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) zum Thema »Literatur ausstellen«; am selben Wochenende sind die Universität Mannheim und die Ohio State University, Columbus (USA), mit einer Tagung über Sophie von La Roche in Marbach zu Gast. Ein »Ehrenkolloquium für einen Luftkutscher« veranstaltet – ebenfalls am 26. und 27. Oktober 2007 – die Stuttgarter Akademie für gesprochenes Wort, die den 80. Geburtstag des Schriftstellers Ludwig Harig im Deutschen Literaturarchiv Marbach begeht. Eine Tagung über »Strukturalismus in Deutschland. Literatur- und Sprachwissenschaft 1910-1975« mit Eberhard Lämmert, Hans-Harald Müller, Jörg Schönert u.a. reflektiert vom 8. bis zum 10. November die Bedeutung des Strukturalismus für die Philologien, während sich eine Editorentagung am 6. und 7. Dezember mit dem Nachlass des Philosophen Hans Blumenberg beschäftigt. Anmeldungen zu allen Tagungen nimmt die Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik, Mailadresse: wollg(at)dla-marbach.de entgegen.
Nicht zuletzt wird wieder eine Zeitkapsel in diesem Quartal geöffnet: Am 19. Oktober 2007 sprechen Stefan Rebenich, Professor für Alte Geschichte und Rezeptionsgeschichte der Antike an der Universität Bern, und Reinhard Laube, stellvertretender Leiter der Bibliothek, über den Historiker Theodor Mommsen und seine »Römische Geschichte«, für die Mommsen den Literaturnobelpreis erhielt. Das Deutsche Literaturarchiv bewahrt Mommsens Nachlass auf.
Formulare für eine Mitgliedschaft in der Deutschen Schillergesellschaft sind unter Telefon 07144-848-0 zu erfragen, Führungen in den Museen können unter der Nummer 07144-848-616 gebucht werden.

