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2007

PM 092/2007

Deutsche Emigranten im New Yorker Linguistenzirkel: Der Philosoph Thomas Meyer beleuchtet in Marbach einen noch unbekannten Aspekt des Strukturalismus

Marbach, 02. November 2007 —

Der Strukturalismus gilt in den Geisteswissenschaften als französische Erfindung. Unterschlagen werden dabei meist jene Umwege, die strukturalistische Denkfiguren über Osteuropa und die USA genommen haben. Wie sich Ende der 1960-er Jahre die deutschen Geisteswissenschaften auf die neueste Mode aus Paris eingestellt haben und was nach 1968, aus dem Strukturalismus wurde – damit beschäftigt sich von Donnerstag, 8. November, bis Samstag, 10. November 2007, die wissenschaftliche Tagung »Strukturalismus in Deutschland. Literatur- und Sprachwissenschaft 1910-1975« im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Im Rahmen dieser Tagung spricht am Donnerstag, 8. November, 20 Uhr, der Philosoph Thomas Meyer, Jerusalem und Leipzig, über »Deutsche Emigranten im Linguistic Circle«. In seinem Vortrag versucht er drei Fragen miteinander zu verbinden: Inwiefern sind die Emigranten als einheitliche Gruppe zu betrachten? Wie hat sich ihr Denken gegenüber der Zeit vor der Emigration verändert - bemühten sie sich um Kontinuität? Welche Rückschlüsse lassen sich daraus auf die Frühphase des Strukturalismus ziehen? Im Mittelpunkt seiner Antworten steht das Werk Ernst Cassirers. Den Abend moderiert Marcel Lepper, Leiter der Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik; der Eintritt in die Veranstaltung ist frei.

Thomas Meyer, Jahrgang 1966, wurde 2003 an der Ludwig-Maximilians-Universität mit einer Arbeit über Ernst Cassirer promoviert. Von Juli 2005 bis Juli 2007 war er Postdoc-Fellow an der Max Planck-Minerva-Stiftung in Jerusalem, seit September 2007 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig. 2007 veröffentlichte er unter anderem die zweite Auflage seiner Biografie über Ernst Cassirer (Hamburg) und den Band »Kulturphilosophie in gefährlicher Zeit. Studien zu Ernst Cassirer« (Münster). Im Januar 2008 erscheint sein Buch »Vom Ende der Emanzipation. Jüdische Philosophie und Theologe nach 1933« (Göttingen).

Foto: Privat