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2007

PM 097/2007

Anziehungspunkt für Literaten und Dichter: Das neue ›Spuren‹-Heft der Arbeitstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten erzählt vom Wolfsbrunnen in der Nähe des Heidelberger Schlosses

Marbach, 28. November 2007 —

Der östlich des Heidelberger Schlosses in einer Waldschlucht gelegene Wolfsbrunnen war seit seiner Inbetriebnahme im 16. Jahrhundert ein Anziehungspunkt für Literaten und Dichter. Zuerst von den Humanisten besungen, dann von Martin Opitz in einem Sonett zum literarischen Denkmal erhoben, löste schließlich August Lafontaines ›Clara du Plessis und Clairant‹ einen regelrechten Pilgerstrom dorthin aus. In diesem 1795 erschienenen Erfolgsroman lässt er zwei leidgeprüfte Liebende am Wolfsbrunnen einander wieder begegnen. Nicht nur für Heinrich von Kleist oder Joseph von Eichendorff war das Anlass genug, den Schauplatz dieser zentralen Szene persönlich in Augenschein zu nehmen.

Das 77. Heft der Marbacher Reihe ›Spuren‹ - in neuer Herausgeberschaft, doch in der bewährten Ausstattung - erzählt die Literaturgeschichte dieser parkähnlichen Anlage. Es zeigt, wie dieser Ort insbesondere im 19. Jahrhundert für viele das Bild vom romantischen Heidelberg perfekt abrundete, nachdem die ursprünglich barocke Anlage infolge mangelnder (gärtnerischer) Pflege sich zu einer verwilderten Künstlichkeit entwickelt hatte – so ganz nach dem Geschmack romantischer Naturbetrachtung.

Im 20. Jahrhundert hat dieser Ort, dem Eichendorff noch 1807 eine »magische dunkle Stille« attestierte, kaum noch nennenswerte Spuren hinterlassen. Immerhin, für Carl Zuckmayer, der unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in Heidelberg studierte und hier den damals in Deutschland noch unbekannten schwedischen Dichter, Komponisten und Bohemien Carl Michael Bellman für sich entdeckte, wurde der Wolfsbrunnen gewissermaßen zur Keimzelle eines späteren Theaterstücks (›Ulla Winblad‹, 1938). Dort nämlich kam 1920 eine »dramatische Stationenreihe« über das Leben von Bellman zur Aufführung, die Zuckmayer gemeinsam mit dem Heidelberger Kunsthistoriker Wilhelm Fraenger auf die Beine gestellt hatte. Im Juni 1980 fand am Wolfsbrunnen dann noch ein kleines Gipfeltreffen deutsch-lateinamerikanischer Literatur statt - unter anderem mit Hilde Domin, dem späteren Literaturnobelpreisträger Octavio Paz und seinem deutschen Verleger Siegfried Unseld.

Online bestellen: SPUREN 77
Oliver Fink: »Magische dunkle Stille«. Der Wolfsbrunnen bei Heidelberg als literarischer Ort. 16 Seiten, 13 Abbildungen, Geheftet. Umschlag aus Pergamin, 4,50 Euro, ISBN 978-3-937384-28-3.