Pressemitteilungen
2007
PM 104/2007
Auftakt im Deutschen Literaturarchiv Marbach:2008 widmen sich die Veranstaltungen und Ausstellungen dem Jahresthema »Lassen«
Marbach, 20. Dezember 2007 —
In einem Literaturarchiv, dem Reich der Nach- und Vorlässe von Autoren und Gelehrten, hat das Verb »Lassen« eine besondere Bedeutung. Soll und darf man alles aufbewahren, was sich im Lauf der Zeit in einem Archiv angesammelt hat? Sollen missglückte literarische Versuche ebenso ausgestellt werden wie die Meisterwerke der Literatur? Diese Fragen greift das Jahresthema 2008 des Deutschen Literaturarchivs Marbach auf: Es stellt die im Museum gezeigten Bestände des Archivs in den Mittelpunkt. Denn die Dauerausstellung im Literaturmuseum der Moderne provoziert, ebenso wie dessen Wechselausstellungen, die Frage nach dem Eigenrecht der im Archiv überlieferten Dinge. In Veranstaltungen und Führungen, Lesungen und Workshops wird das Thema »Lassen« ein Jahr lang mit Wissenschaftlern und Museumsbesuchern, Jugendlichen und Lehrern diskutiert.
Gleich zwei Wechselausstellungen und eine »fluxus«-Ausstellung zeigt das LiMo von Januar bis März. Noch bis zum 24. Februar 2008 ist die Ausstellung »Kippfiguren. Robert Gernhardts 'Brunnen'-Hefte« zu sehen, die überraschende, intime und auch komische Einblicke in die Notiz- und Tagebücher des Lyrikers und Zeichners gewährt. Am 13. Februar sprechen der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering (19 Uhr) und der Theaterwissenschaftler Jens Malte Fischer (20.30 Uhr) über die Geschichte der Verskunst, über das Komische als Genre und Robert Gernhardts »Lachvorlagen«. Am 20. Februar, 20 Uhr, liest der Schriftsteller Eckhard Henscheid aus seinem Werk und erinnert an seine Arbeit mit Gernhardt.
Eine neue Wechselausstellung widmet sich von 13. März 2008 an der Porträtkunst im George-Kreis (bis 31. August 2008). »Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung« zeigt über 160 Köpfe, die in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschaffen wurden. Zur Vernissage um 19 Uhr liest und analysiert der Lyriker und Literaturwissenschaftler Harald Hartung Gedichte von Stefan George. Schon am 30. Januar, 19 Uhr, eröffnet der Krimi-Autor Heinrich Steinfest den vierten »fluxus«-Raum mit Exponaten der Dauerausstellung, die seinen Spürsinn herausfordern: »Verdächtige Objekte oder Steinfests Ermittlungen«.
Einen Anfang macht das Deutsche Literaturarchiv 2008 auch mit der Vortragsreihe »Dichterruhm und Unsterblichkeit«. Schon vor dem Schillerjahr 2009 lädt das Archiv sein Publikum ein, gemeinsam mit verschiedenen Referenten Neues über die Schillerverehrung und -rezeption zu lernen, das sanierungsbedürftige Schiller-Nationalmuseum in die Diskussion zu bringen und auf das Programm 2009 neugierig zu werden. Am 18. Februar, 20 Uhr, spricht Wendelin Schmidt-Dengler, Leiter des Österreichischen Literaturarchivs, über »Schillers Burg und Krausens Lager. Schiller in Österreich«. Als Redner folgen 2008 unter anderem Nike Wagner, Sibylle Lewitscharoff, Valentin Groebner und Albrecht Schöne.
Mit Einzelveranstaltungen erinnert das Deutsche Literaturarchiv im ersten Quartal an den Schriftsteller Ernst Jünger, der vor zehn Jahren starb, und an den Dichter Albrecht Goes, der 2008 hundert Jahre alt geworden wäre. Am 6. Februar, 20 Uhr, berichten die Jünger-Biografen Günther Figal, Helmuth Kiesel und Martin Meyer von ihren Erfahrungen mit Jüngers Leben und Werk. Am 19. März, 20 Uhr, stellt der Schriftsteller Peter Härtling das Werk des Lyrikers und Essayisten Albrecht Goes vor, dessen Nachlass in Marbach liegt.
Über »Probleme der Musikbeschreibung« spricht am 23. Januar, 20 Uhr, der Literatur- und Musikkritiker Joachim Kaiser. Am 26. März, 20 Uhr, stellen Frank Druffner und Helmuth, Mojem, Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs, die 13. Zeitkapsel vor: Anhand eines Porträts des Schriftstellers Rudolf G. Binding von Max Beckmann beleuchten sie das Werk und die Beziehung dieser beiden unterschiedlichen Künstler.
Der Eintritt in die Veranstaltungen kostet, soweit nicht anders angegeben, 5,-/ 3,- Euro. Formulare für eine Mitgliedschaft bei der Deutschen Schillergesellschaft erhalten Sie unter Telefon 07144-848-0, Führungen können unter Telefon 07144-848-616 gebucht werden.
Foto: Das Programmplakat 01-03 des Deutschen Literaturarchivs (bitte zum Vergrößern auf das Bild klicken).

